Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-33389
Titel: Kulturspezifisches Welt- und Handlungswissen im Generationenvergleich. Eine Rezeptionsstudie zu deutschen Synchronfassungen italienischer Filme
VerfasserIn: Klein, Helen
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2020
DDC-Sachgruppe: 400 Sprache, Linguistik
440 Französisch, romanische Sprachen allgemein
450 Italienisch, Rumänisch, Rätoromanisch
791 Öffentliche Darbietungen, Film, Rundfunk
Dokumenttyp: Dissertation
Abstract: Folgendes Szenario mag einem jeden bekannt sein, der sich Filme gern in ihrer deutschen Synchronfassung ansieht: Die Handlung des Films entfaltet sich und eins greift ins andere, bis man ganz plötzlich den Eindruck hat, etwas verpasst zu haben und einzelne Szenen – oder im schlimmsten Fall der ganze Film – keinen Sinn zu ergeben scheinen. Dafür kann es viele Gründe geben. Manchmal ist es schlichtweg unsere eingeschränkte Aufmerksamkeit nach einem langen Arbeitstag. In anderen Fällen können wir genau festmachen, was genau das Verstehen erschwert, beispielsweise eine Geste, der Verweis auf einen uns unbekannten Feiertag oder politische Zusammenhänge, denen wir nicht folgen können. Es kann auch vorkommen, dass uns ganze Zusammenhänge entgleiten und uns ratlos zurücklassen. Es können Grundlagen und Hintergründe fremder Kulturen sein, die als sogenannte kulturspezifische pragmatische Präsuppositionen vorliegen und die die Rezipierenden der deutschen Synchronfassung ins Stolpern bringen und das Verständnis erschweren können. An genau dieser Stelle setzt die vorliegende Dissertation an und befasst sich mit Problemen beim Verständnis kulturspezifischer pragmatischer Präsuppositionen bei ins Deutsche synchronisierten, original italienischen Filmen ausgehend von zwei Generationen deutscher Rezipierenden, nämlich den Babyboomern und der Generation Y. In dieser Studie stehen Kinofilme aus den letzten rund zehn Jahren im Mittelpunkt. Namentlich handelt es sich um Il Divo – Der Göttliche (2008, Originaltitel: Il divo – La spettacolare vita di Giulio Andreotti), Das Festmahl im August (2008, Originaltitel: Pranzo di Ferragosto), Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra (2008, Originaltitel: Gomorra) sowie Engel des Bösen – Die Geschichte eines Staatsfeindes (2010, Originaltitel: Vallanzasca – Gli angeli del male). Bereits an den Titeln zeigt sich eine gewisse Schwierigkeit bei der Übertragung in die deutsche Zielkultur: Es wurde für keinen der italienischen Titel eine rein wörtliche Übersetzung angefertigt, sondern immer eine gewisse Anpassung an die Zielkultur mittels Auslassungen, Ergänzungen oder Verallgemeinerungen vorgenommen. Bei Il Divo – Der Göttliche wurde der Verweis auf Giulio Andreotti ausgelassen und stattdessen eine wörtliche Übersetzung von „il divo“ ergänzt. Bei Das Festmahl im August fehlt im deutschen Titel der Verweis auf den Feiertag Ferragosto, der im Mittelpunkt der Storyline steht, stattdessen wird allgemein von einem Festmahl gesprochen. Bei Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra wurde ein Zusatz eingefügt, der sich am Untertitel des Romans von Roberto Saviano orientiert, auf dem der Film basiert: „Gomorra. Viaggio nell'impero economico e nel sogno di dominio della camorra”. Die Camorra und ihre Macht finden damit auch im deutschen Filmtitel Erwähnung. Bei Engel des Bösen – Die Geschichte eines Staatsfeindes wiederum wurde der Name Vallanzascas ausgelassen und stattdessen wurde explizit der Zusatz des Staatsfeindes eingefügt. Diese Änderungen in den Titeln sind bereits Anzeichen dafür, dass die Filme auf kulturspezifischen Wissensbeständen aufbauen, die für das deutsche Zielpublikum nicht unproblematisch sind. Diese vier Filme repräsentieren die häufigsten der relativ klar umrissenen Genres und Themenbereiche des zeitgenössischen italienischen Kinos (vgl. Kapitel 2.2). Die Arbeit fußt auf den in der Masterarbeit der Autorin (2016) angestellten Untersuchungen und nutzt dieselben grundlegenden wissenschaftlichen Konzepte, nämlich dasjenige der kulturspezifischen pragmatischen Präsuppositionen als Konzept des Impliziten nach Linke und Nussbaumer (vgl. Kapitel 3.3) und diejenigen der Meta- und Prototexte nach Popovič. Auch der Rahmen mit der Untersuchung von Synchronisierungen, eine Form der audiovisuellen Übersetzung, ist derselbe. Aufgrund dieses Zusammenhanges lassen sich inhaltliche Überschneidungen im theoretischen Teil der beiden Arbeiten nicht vermeiden. Die Synchronisierung als Form der audiovisuellen Übersetzung Bei der Synchronisierung wird der Originaltext komplett ausgeblendet und der Zieltext mündlich eingesprochen, so dass nach Abschluss des Prozesses lediglich der zielsprachliche Dialog zu hören ist. So sollen Zuschauerinnen und Zuschauer (Rezipierende) der Synchronisierung die Illusion haben, der Film sei tatsächlich in der Zielsprache produziert worden (vgl. Brons, 2012:164). Die Synchronisierung ist nicht zuletzt aufgrund ihrer Kostspieligkeit vor allem in Westeuropa üblich. Andere übliche Formen der audiovisuellen Übersetzung sind Untertitelung und Voice over. Um eine gelungene Synchronisierung abliefern zu können, muss der Translator bei seiner Arbeit einer Vielzahl von Ansprüchen gerecht werden (vgl. Kapitel 3.1). Um jedoch zu verstehen, wie umfassend der Synchronisierungsprozess ist, muss generell ein Bewusstsein dafür bestehen, dass Filmtexte immer auf ein bestimmtes Zielpublikum ausgelegt sind und dabei auf Alltagserfahrungen, Träumen und Konflikten basieren, die den jeweiligen Rezipierenden Zugang zur dargestellten Welt geben sollen. Die Wissensbestände der Rezipierenden sind demnach entscheidend zur Dekodierung der Filminhalte (vgl. Bienk, 2010:17). Sie setzen sich zusammen aus Welt- und Handlungswissen und stellen die Grundlage für alle sprachlichen Äußerungen dar (vgl. Linke / Nussbaumer, 2000:441). Jede gemachte Äußerung setzt also zum umfassenden Verständnis auf der Seite der Rezipierenden ein Welt- und Handlungswissen voraus, das sich überwiegend mit demjenigen der Sprecher deckt; Linke und Nussbaumer erfassen dieses vorausgesetzte Welt- und Handlungswissen als Konzept des Impliziten, das in Texten i. F. v. sog. pragmatische Präsuppositionen vorliegt (ebd., 2000:441). Wie oben festgehalten, werden Filmtexte immer unter Beachtung des jeweiligen Welt- und Handlungswissens auf ein spezifisches Zielpublikum zugeschnitten. Bei der „Übersetzung“ von Filmen gelangt für die Ausgangskultur spezifisches Wissen in eine neue Kultur, nämlich in die Zielkultur. Die Problematik besteht jedoch darin, dass bei den Rezipierenden der Zielkultur nicht immer dieselben pragmatischen Präsuppositionen vorausgesetzt werden können wie bei der Ausgangskultur. Bedenken wir dies und erinnern wir uns an unser anfängliches Szenario, so ist es umso eingängiger, dass es sich bei pragmatischen Präsuppositionen zumindest in großen Teilen um ein kulturspezifisch geprägtes Konzept handeln muss: Hintergründe, Zusammenhänge oder Umstände sind für die Ausgangskultur voraussetzbar, für die Zielkultur unserer Synchronfassung wirken sie aber möglicherweise gar kryptisch. Durch die nicht voraussetzbaren Wissensbestände kann es beim zielsprachlichen Zielpublikum an denjenigen Stellen, an denen das bei ihnen fehlende Wissen aktiviert werden sollte, zu Verständnisfragen und -problemen kommen. An genau dieser für die Synchronisierung spezifischen Problematik setzt die vorliegende Arbeit an. In der Masterarbeit der Autorin wurde bereits der Grundstein zur Analyse der Unterschiede in den Wissensbeständen der Ausgangs- und Zielkultur gelegt: Die Analyse erfolgt effektiv über die Betrachtung aus prototextueller und metatextueller Perspektive (vgl. Kapitel 4). Die prototextuelle Perspektive entspricht der Rezeption der Synchronfassung des Films wie sie beim zielsprachlichen Publikum vorgenommen wird; d. h. die zum Verständnis der kulturspezifischen pragmatischen Präsuppositionen vorausgesetzten Wissensbestände sind nicht zwangsläufig oder lediglich lückenhaft vorhanden. Die metatextuelle Perspektive wiederum entspricht der Rezeption des Films, wie sie beim ausgangssprachlichen Zielpublikum vorgenommen wird; d. h. alle zum Verständnis der kulturspezifischen pragmatischen Präsuppositionen vorausgesetzten Wissensbestände sind idealerweise vorhanden und können nach Bedarf aktiviert werden, um das Verständnis sicherzustellen. Damit greift die vorliegende Arbeit ein wissenschaftlich bisher nur selten beleuchtetes Thema auf (Hasebrink, 2014:395): Obwohl immer wieder „Studien zur Rezeption von Medienangeboten darauf hin[weisen], wie eng verwoben Prozesse der Rezeption […] mit medialen Angeboten mit dem Alltag der Nutzerinnen und Nutzer und mit ihrem kulturellen Hintergrund sind“, sind „explizite Vergleiche zwischen verschiedenen Kulturen […] rar.“ Wissenschaftliche Untersuchungen, die in einem ähnlichen Feld angestellt wurden und auf die beispielsweise auch Hasebrink verweist (vgl. ebd. 2014:403f.), beziehen sich häufig auf amerikanische Produktionen. So beispielsweise Wasko / Philipps / Meehan, die in der Studie „Dazzled by Disney? The Global Disney Audiences Project“ (2001) die Wirkung von Disney-Filmen auf unterschiedliche Kulturen untersuchen. Neben solchen auf amerikanischen Großproduktionen basierenden Studien existieren auch Untersuchungen zu europäischen Produktionen, etwa zu Nachrichtenrezeption in verschiedenen Ländern Europas (vgl. beispielsweise Shehatan / Strömbäck, 2011). Die Problematik, die mit kulturspezifischen pragmatischen Präsuppositionen einhergeht, hat bisher aber noch keine wissenschaftliche Beachtung gefunden. Problemstellung Welche Wissensbestände nur lückenhaft oder gar nicht bei einem Ausschnitt des durchschnittlichen zielsprachlichen Publikums vorhanden sind, lässt sich am authentischsten anhand von empirischen Untersuchungen feststellen. Aufgrund des Untersuchungsaufwands ist es nicht möglich, die gesamte Bandbreite des durchschnittlichen Zielpublikums abzubilden, daher werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit bewusst zwei spezifische Versuchsgruppen definiert und betrachtet (vgl. Kapitel 7.1). Obwohl die vorliegende Studie damit eine selektive Repräsentation ist, kann damit erstmals ein Eindruck über Ausmaß und Tiefe der entstehenden Verständnisprobleme gewonnen werden, was für diese Problematik im Rahmen der Synchronisierung sensibilisiert. Die metatextuelle Perspektive wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit von der Autorin aufgearbeitet, die dazu die Rolle eines angenommenen idealtypischen Zuschauers einnimmt, der über alle notwendigen Wissensbestände verfügt. Auf eine Versuchsreihe mit Repräsentanten der metatextuellen Perspektive kann hier insofern verzichtet werden, da der Film in seiner Originalfassung, wie oben bereits festgehalten, exakt auf sein ausgangssprachliches Zielpublikum ausgelegt und daher davon auszugehen ist, dass alle zum Verständnis erforderlichen Wissensbestände zumindest in einem Mindestmaß vorausgesetzt werden können. Obwohl die Untersuchung, ob diese Annahme tatsächlich umfassend zutrifft, durchaus reizvoll wäre, kann sie im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht vorgenommen werden, da dies den Umfang sprengen würde. Die Versuchsreihe im gegebenen Rahmen wird jedoch auf prototextueller Ebene innerhalb zwei spezifischer Gruppen durchgeführt, nämlich einerseits mit Probanden aus der Generation der Babyboomer, andererseits mit Probanden aus der Generation Y. Die genaue Festlegung der Geburtsjahre der jeweiligen Generationen schwankt je nach Definition, vor allem für die noch junge Generation Y, bei der eine genaue Abgrenzung insbesondere zur nachfolgenden Generation noch nicht abzusehen ist. Innerhalb dieser Arbeit soll unter der Generation der Babyboomer jene Kohorte zusammengefasst werden, die zwischen 1956 und 1965 geboren wurde, und unter der Generation Y diejenige Kohorte, deren Geburtsjahre zwischen 1981 und 1995 liegen (vgl. Klaffke, 2014:11ff). Bei den Babyboomern handelt es sich grundsätzlich um die Elterngeneration der Mitglieder der Generation Y (vgl. Mangelsdorf, 2014:19). In diesem Zusammenhang mit Generationen zu arbeiten, ist deshalb interessant, da die Prägung von Generationen zunächst festgelegt wird durch den individuellen Zeitpunkt und Ort ihrer Geburt; aber auch durch das etwa zeitgleiche Erleben und Handeln in Kindheit und Jugend im jeweiligen sozio-kulturellen Kontext (vgl. Oertel, 2014:29). Dieses sozio-kulturelle Umfeld und die Generationenprägung werden v. a. durch demografische, politische, juristische, wirtschaftliche, geografische sowie durch kulturelle Aspekte beeinflusst (vgl. Oertel, 2014:29). Die Zugehörigkeit zu einer Generation korreliert so mit einer generationenspezifischen sozialen Identität (vgl. Lüscher, 2014:12), die sich unter dem Einfluss der obengenannten Aspekte ausbildet. Die unterschiedlichen Einflüsse – insbesondere der kulturelle – auf die Generationen ist ein eindeutiges Indiz, dass sich damit auch das Welt- und Handlungswissen einzelner Generationen unterscheidet. Da die Analysearbeit in den Folgekapiteln maßgeblich ausgehend von der deutschen Synchronfassung erfolgt, werden zur Bezugnahme die deutschen Filmtitel verwendet und Zitate werden ebenfalls den deutschen Synchronfassungen entnommen. Mittelpunkt der Untersuchung ist also nicht die Synchronisierung an sich, sie bildet lediglich den spezifischen Rahmen dafür. Die Analyse anhand dieser speziellen Form der audiovisuellen Übersetzung ist aufgrund der Natur ihrer Sache interessant: Damit eine Synchronfassung als tatsächlich gelungen gelten kann, müsse enorm hohe Anforderungen erfüllt werden (z. B. auf sprachlicher Ebene Lippen- und Gestensynchronität, zudem Charaktersynchronität; vgl. Brons, 2012:167f.). Die genauen Hintergründe werden in Kapitel 3 vertieft, allerdings kann an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen werden, dass die Synchronisierung aufgrund dieser Tatsache wenig Raum für erläuternde oder erklärende Einschübe bietet. Daher können die punktuell notwendigen kulturspezifischen Wissensbestände für die Zielkultur nicht extensiv aufgearbeitet werden; insbesondere dann nicht, wenn es sich um weitläufige oder komplexe Hintergründe handelt. Bei anderen Formen der (audiovisuellen) Übersetzung gelten diese Umstände nicht oder nicht in diesem Maße. Umso interessanter werden die vorliegenden Untersuchungen, wenn bedacht wird, dass die Synchronisierung die teuerste Form der audiovisuellen Übersetzung ist (vgl. Korycińska-Wegener, 2011:64). Es ist offensichtlich, dass eine Synchronisierung nur dann vorgenommen wird, wenn davon auszugehen ist, dass die zielsprachliche Fassung ein breites Publikum erreichen und damit finanziell lohnenswert sein wird. Tatsächlich erfolgreich kann der Film aber lediglich dann sein, wenn die Unterschiede im kulturspezifischen Welt- und Handlungswissen zwischen Ausgangs- und Zielkultur nicht derart groß sind, dass das Verständnis des Films stark beeinträchtigt oder gar unmöglich ist. Daher sollten im Korpus dieser Arbeit per se keine Filme enthalten sein, die für das deutsche Zielpublikum als Gesamtwerk unverständlich sind. Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer Versuchsreihe zu untersuchen, ob die anzunehmenden Unterschiede im kulturspezifischen Welt- und Handlungswissen bei der Rezeption von Synchronisierungen italienischer Filme zu generationenspezifischen Verständnisproblemen und Fragen führen, bzw. ob eine Generation möglicherweise Stellen problematisch findet, die für die andere aufgrund des generationenspezifischen Wissens nachvollziehbar sind. Die vorliegende Arbeit beleuchtet diese Thematik erstmals in größerem Rahmen aufbauend auf der Masterarbeit der Autorin. Entsprechend kann der vorliegende Forschungsbeitrag noch keine abschließenden Feststellungen darüber machen, inwiefern der Problematik pragmatischer Präsuppositionen im Zusammenhang der Synchronisierung entgegengewirkt werden kann. Daher sollen potentielle Lösungsansätze in der vorliegenden Arbeit nur global beleuchtet werden (vgl. Kapitel 13). Die Filme wurden unter der Prämisse ausgewählt, dass möglichst viele für die italienische Kultur spezifische pragmatische Präsuppositionen enthalten sind und dennoch verschiedene Themenbereiche – nämlich die häufigsten Themenbereiche und Genres, die gegenwärtig im italienischen Kino vertreten sind (vgl. Kapitel 2.2) – abgedeckt werden. Bei den Filmen handelt es sich daher insgesamt um italienische Produktionen, deren Storylines überwiegend in Italien verankert sind und die im Original in italienischer Sprache abgedreht wurden. Unter Beachtung des Aspekts der Aktualität wurden auch nur Filme ins Korpus aufgenommen, die ab 2000 produziert wurden. Obwohl das Korpus aufgrund des mit der Versuchsreihe verbundenen Aufwands selektiv ist, soll zumindest für die behandelten Themenbereiche exemplarisch herausgefiltert werden, welche kulturspezifische pragmatischen Präsuppositionen bei den Babyboomern, welche bei der Generation Y und welche bei beiden Generationen gleichermaßen Probleme verursachen. Die Versuchsreihe, deren genaue Vorgehensweise in Kapitel 6 dargestellt wird, und die ausgewählten Filme sollen beispielhaft sein für vergleichbare Untersuchungen von Filmen mit ähnlicher Thematik. Zu beachten ist im Hinblick auf die Versuchsreihe, dass sie immer nur unnatürliche Rezeptionsprozesse abbilden: Die Probanden werden ohne Vorbereitung mit den Filmen konfrontiert, was einerseits notwendig ist, um zu vermeiden, dass sie sich inhaltlich vorinformieren und damit die Ergebnisse verfälschen; andererseits kann aber auch keine Rücksicht darauf genommen werden, ob die Probanden sich die Filme tatsächlich freiwillig ansehen würden, d. h. ob sie ihren persönlichen Interessen und ihrem Geschmack entsprechen. Auf diesen Aspekt wird in Kapitel 6.1.3 näher eingegangen. Zu beachten sind bei der Erforschung des Verständnisses von Medien allgemein auch die generellen Erkenntnisse der Medienrezeptionsforschung, die für die vorliegende Arbeit u. a. deshalb wichtig sind, da sie Ansätze zum Verstehensprozess bei Filmen liefert. Vor der Auswertung der Versuchsreihe wird dazu in Kapitel 5 ein spezifischer Überblick gegeben. Bevor nachfolgend die inhaltlichen Grundlagen erarbeitet werden, soll zunächst noch ein Hinweis auf formaler Ebene gegeben werden. Der Einfachheit und Lesbarkeit halber wird innerhalb der Arbeit auf genderspezifische Angaben bei der Nennung der Probandinnen und Probanden verzichtet und stattdessen das generische Maskulinum verwendet, dennoch sind auch die Probandinnen natürlich immer eingeschlossen. Diese Entscheidung soll neben der besseren Lesbarkeit der Analyse auch der Wahrung der Anonymität der Probanden dienen. Bei allen anderen Nomen wird in der vorliegenden Arbeit bewusst gegendert und wo vorhanden werden geschlechterneutrale Formen verwendet. Weiterführende Ziele Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht insbesondere darin, für die mit kulturspezifischen pragmatischen Präsuppositionen einhergehenden Problemen zu sensibilisieren und in einem zweiten Schritt den Dialog über Grenzen und Möglichkeiten von Synchronisierungen neu zu entfachen. Die Vorgehensweisen und Regeln der Synchronisierung bieten derzeit nur minimale Möglichkeiten, notwendiges, nicht voraussetzbares Welt- und Handlungswissen aufzuarbeiten. Die Untersuchungen im Rahmen dieser Arbeit zeigen jedoch, dass solche Möglichkeiten überaus wünschenswert wären: Der Reiz, sich Filme aus anderen Ländern anzusehen, besteht nicht zuletzt darin, auch Einblicke in fremde Kulturen zu erhalten und diese auch im Sinne der Völkerverständigung kennen zu lernen. Ein so niedrigschwelliges Angebot wie die Filmrezeption, die verschiedene Kulturen begreifbar machen können, sollte optimal eingesetzt werden, um das Bewusstsein und das Verständnis für andere Kulturen zu schulen. Aus diesem Grund ist die vorliegende Dissertation auch als Anstoß dazu zu lesen, neue Wege bei der Synchronisierung auszuloten, um dazu einen Beitrag zu folgender Bestrebung zu leisten (Martín Ruano, 2018:270): „Cultural translation needs to explore that its purpose is not perhaps to end conflict by eliminating differences, but to productively confront them; to let various worldviews be aware of their disparity, to allow dialogue to proceed, not merely in spite of diversity, but also through taking it into account.“ Besonderen Anreiz zum Entfachen des Dialogs um Grenzen und Möglichkeiten der Synchronisierung birgt Kapitel 13.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-333896
hdl:20.500.11880/30847
http://dx.doi.org/10.22028/D291-33389
Erstgutachter: Schweickard, Wolfgang
Tag der mündlichen Prüfung: 15-Dez-2020
Datum des Eintrags: 11-Mär-2021
Fakultät: P - Philosophische Fakultät
Fachrichtung: P - Romanistik
Professur: P - Prof. Dr. Wolfgang Schweickard
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes



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