Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-48156
Titel: The dynamics of pragmatics: Individual differences and adaptation in pragmatic processing
VerfasserIn: Mayn, Alexandra
Sprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2026
DDC-Sachgruppe: 400 Sprache, Linguistik
Dokumenttyp: Dissertation
Abstract: When people communicate with each other, they often do not say exactly what they mean, whether it is because they are being polite or trying not to hurt someone's feelings, making a joke, or not mentioning something that they expect the interlocutor to know or be able to infer from context. Still, people are able to understand each other. In pragmatics, this is commonly explained by the cooperative principle (Grice, 1975), which holds that interlocutors behave cooperatively and follow shared communicative norms, such as being sufficiently informative and clear. This account has received substantial experimental support. However, real-world communication is more complex than such idealized theories suggest: individuals vary widely in their pragmatic abilities (Matthews et al., 2018; Kidd et al., 2018), and these abilities may be further influenced by factors such as inattention or fatigue. This thesis aims to advance pragmatic theories by investigating the variation in people's pragmatic abilities. Through experimental work and computational modeling, it investigates the cognitive factors which underlie individual differences in pragmatic reasoning and examines how comprehenders accommodate differences in speakers' pragmatic competence by adjusting their interpretations. This dissertation bridges two strands of research which had previously mostly been separate – on individual differences in pragmatic processing and on modeling pragmatic inferences mathematically in the Rational Speech Act (RSA) framework (Frank & Goodman, 2012) – by investigating cognitive factors which account for variability in performance on a pragmatic reference game (Frank et al., 2016), which is theoretically motivated by the predictions of RSA models of different complexity. We show that people’s pragmatic reasoning in reference games is predicted by logical reasoning ability and Theory of Mind – the ability to reason about others' mental states – but not by working memory capacity. By identifying cognitive factors which predict individual variability in pragmatic reasoning in reference games, we lay the groundwork for the study of underlying cognitive mechanisms and for processing models of this variability. A further contribution of this dissertation is an account of how comprehenders accommodate variation in speakers’ pragmatic abilities. Previous work has shown that comprehenders' interpretations are sensitive to certain speaker characteristics, such as speaker persona (Beltrama, 2018; Beltrama & Schwarz, 2021, 2024), language proficiency and accent (Ip & Papafragou, 2021, 2023; Puhacheuskaya & Järvikivi, 2025, 2022). The findings of this dissertation extend this work by showing that comprehenders' beliefs about the speaker's pragmatic competence affect interpretation. Specifically, the same ambiguous utterance may be interpreted literally or as an implicature depending on the speaker’s perceived competence and cooperativity. Moreover, our findings suggest that the perceived pragmatic competence of the speaker affects the depth of the comprehender's reasoning: when the speaker is not believed to be sufficiently pragmatically competent or cooperative, comprehenders may be less willing to expend the cognitive effort required for deeper pragmatic inference. This finding aligns with the core claim of relevance theory (Sperber & Wilson, 1986) that nonliteral meanings are derived only when the required cognitive effort is justified. Across two experimental paradigms, we show that people rapidly adapt their interpretations to specific speakers over the course of an interaction, dynamically constructing and updating a model of the speaker's pragmatic competence. We also find evidence for individual differences in adaptation behavior which can be explained by differences in prior beliefs and tendency to generalize across speakers. Finally, this dissertation makes a methodological contribution by proposing a simple yet effective method for eliciting strategies that people use in pragmatic reference games which can also be applied in other paradigms. We demonstrate the effectiveness of this method for uncovering and reducing bias in experimental stimuli and gaining additional insight into the used reasoning strategies which would not be apparent by examining performance. In sum, the research presented in this dissertation contributes to more comprehensive theories of pragmatics by offering new insights into variability and adaptation in pragmatic processing. The findings of this dissertation support a nuanced view of pragmatic processing, whereby people’s pragmatic reasoning is influenced by both cognitive and contextual factors, and whereby interlocutors anticipate and accommodate these differences in one another.
Wenn Menschen miteinander kommunizieren, sagen sie oft nicht genau das, was sie meinen und zwar aus verschiedenen Gründen: Sie versuchen vielleicht, höflich zu sein oder die Gefühle anderer nicht zu verletzen, machen einen Witz oder erwähnen Informationen nicht explizit, von denen sie annehmen, dass ihre Gesprächspartner:innen sie kennen oder aus dem Kontext ableiten können. Dennoch sind Menschen in der Lage, einander zu verstehen. In der Pragmatik wird dies üblicherweise mit dem Kooperationsprinzip (Grice, 1975) erklärt, welches besagt, dass Gesprächspartner:innen kooperativ handeln und gemeinsame Kommunikationsnormen befolgen, wie z. B. so viele Informationen wie nötig zu liefern und klar zu kommunizieren. Diese Erklärung wurde durch zahlreiche empirische Studien belegt. Die Realität der Kommunikation ist jedoch viel komplexer, als solche idealisierten Theorien vermuten lassen: Die pragmatischen Fähigkeiten der Menschen variieren stark (Matthews et al., 2018; Kidd et al., 2018) und können zusätzlich durch Faktoren wie Unaufmerksamkeit oder Müdigkeit beeinträchtigt werden. Diese Dissertation zielt darauf ab, pragmatische Theorien durch die Untersuchung individueller Variabilität und der Anpassung von Zuhörenden an ihre Gesprächspartner:innen voranzubringen. Sie verbindet experimentelle Forschung mit rechnergestützter Modellierung, um kognitive Faktoren zu identifizieren, die individuellen Unterschieden im pragmatischen Schlussfolgern zugrunde liegen. Darüber hinaus wird untersucht, wie Zuhörende Unterschiede in der pragmatischen Kompetenz von Sprecher:innen berücksichtigen, indem sie ihre Interpretationen entsprechend anpassen. Diese Dissertation verbindet zwei Forschungsstränge, welche bisher weitgehend getrennt waren – individuelle Unterschiede in der pragmatischen Verarbeitung und die mathematische Modellierung pragmatischer Schlussfolgerungen im Rational Speech Act (RSA)-Framework (Frank & Goodman, 2012) – indem sie kognitive Faktoren untersucht, die der Variabilität der Leistung in pragmatischen Referenzspielen zugrunde liegen (Frank et al., 2016), welche durch die Vorhersagen von RSA-Modellen unterschiedlicher Komplexität theoretisch motiviert ist. Dabei wird gezeigt, dass pragmatisches Schlussfolgern in Referenzspielen durch logisches Denkvermögen und Theory of Mind – die Fähigkeit, die Gedanken und Gefühle anderer zu verstehen und korrekt zu interpretieren – vorhergesagt wird, nicht jedoch durch das Arbeitsgedächtnis. Durch die Identifizierung kognitiver Faktoren, die individuelle Variabilität in pragmatischem Schlussfolgern in Referenzspielen vorhersagen, legen wir die Grundlage für die Untersuchung der zugrunde liegenden kognitiven Mechanismen sowie für die Entwicklung kognitiver Modelle des pragmatischen Schlussfolgerns auf der algorithmischen Ebene. Ein weiterer Beitrag dieser Dissertation besteht darin, zu untersuchen, wie Zuhörende Variationen in den pragmatischen Fähigkeiten von Sprecher:innen berücksichtigen. Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass Interpretationen der Zuhörenden durch bestimmte Eigenschaften der sprechenden Person beeinflusst werden können, wie z. B. deren Persönlichkeit (Beltrama, 2018; Beltrama & Schwarz, 2021, 2024), Sprachkenntnisse oder Akzent (Ip & Papafragou, 2021, 2023; Puhacheuskaya & Järvikivi, 2025, 2022). Die Ergebnisse dieser Dissertation erweitern diese Forschung, indem sie zeigen, dass Überzeugungen der Zuhörenden über die pragmatische Kompetenz der sprechenden Person einen maßgeblichen Einfluss auf die Interpretation haben. Dieselbe mehrdeutige Äußerung kann je nach der wahrgenommenen Kompetenz und Kooperationsbereitschaft des Sprechers wörtlich oder als Implikatur interpretiert werden. Darüber hinaus deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die wahrgenommene pragmatische Kompetenz des Sprechers einen Einfluss darauf hat, wie tiefgehend Zuhörende über eine Äußerung nachdenken: Wenn sie die sprechende Person nicht für hinreichend pragmatisch kompetent oder kooperativ halten, sind sie offenbar weniger geneigt, den zusätzlichen kognitiven Aufwand aufzubringen, der für eine nicht-wörtliche Interpretation einer Äußerung erforderlich wäre. Diese Erkenntnis steht im Einklang mit der zentralen Annahme der Relevanztheorie (Sperber & Wilson, 1986), wonach eine Äußerung nur dann als Implikatur interpretiert wird, wenn der dafür notwendige kognitive Aufwand durch die Relevanz der gewonnenen Informationen für die zuhörende Person gerechtfertigt ist. Über zwei experimentellen Paradigmen hinweg wird gezeigt, dass Menschen ihre Interpretationen im Laufe einer Interaktion schnell an eine bestimmte Sprecherin oder einen bestimmten Sprecher anpassen und dabei dynamisch ein mentales Modell der pragmatischen Kompetenz dieser Sprecher:innen aufbauen und fortlaufend aktualisieren. Zudem finden wir Hinweise auf individuelle Unterschiede im Anpassungsverhalten, die sich sowohl durch unterschiedliche Vorannahmen der Zuhörenden über die pragmatische Kompetenz von Sprecher:innen als auch durch Unterschiede in der Tendenz zur Verallgemeinerung über verschiedene Sprecher:innen hinweg erklären lassen. Darüber hinaus leistet diese Dissertation einen methodologischen Beitrag, indem sie eine einfache, aber effektive Methode zur Identifikation von Strategien vorschlägt, die Menschen in pragmatischen Referenzspielen anwenden. Diese Methode ist auch auf andere experimentelle Paradigmen übertragbar. In mehreren Experimenten dieser Dissertation hat sie sich als nützlich erwiesen, um Verzerrungen in experimentellen Stimuli aufzudecken und zu reduzieren sowie zusätzliche Einblicke in die Strategien zu gewinnen, die Menschen anwenden, welche durch eine reine Untersuchung der Leistung nicht sichtbar wären. Zusammenfassend leistet die vorliegende Dissertation einen Beitrag zu umfassenderen Theorien der Pragmatik, indem sie neue Einblicke in die individuellen Unterschiede in pragmatischen Fähigkeiten und Anpassung der Zuhörenden an die pragmatische Kompetenz der Sprecher:innen gewährt. Die Ergebnisse sprechen für eine differenziertere Auffassung pragmatischer Verarbeitung, nach der pragmatisches Schlussfolgern sowohl von kognitiven als auch von kontextuellen Faktoren beeinflusst wird und Gesprächspartner:innen solche Unterschiede in der pragmatischen Kompetenz ihres Gegenübers antizipieren und ihre Interpretationen entsprechend anpassen.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-481562
hdl:20.500.11880/42152
http://dx.doi.org/10.22028/D291-48156
Erstgutachter: Demberg, Vera
Tag der mündlichen Prüfung: 3-Jun-2026
Datum des Eintrags: 6-Jul-2026
EU-Projektnummer: info:eu-repo/grantAgreement/EC/ERC/948878/EU//IDDISC
Fakultät: MI - Fakultät für Mathematik und Informatik
P - Philosophische Fakultät
Fachrichtung: P - Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie
Professur: MI - Prof. Dr. Vera Demberg
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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