Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-46901
Titel: Die chronologische Grundstruktur des Gräberfeldes von Durankulak auf Basis der Gefäßkeramik
VerfasserIn: Anders, Silke
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2022
DDC-Sachgruppe: 930 Alte Geschichte, Archäologie
Dokumenttyp: Dissertation
Abstract: Vorliegende Arbeit rekonstruiert die chronologische Grundstruktur des Gräberfeldes von Durankulak anhand der Gefäßkeramik. Mit Hilfe einer metrisch basierten Form- sowie einer Verzierungsanalyse konnten wiederkehrende räumliche Verbreitungen unterschiedlicher keramischer Merkmale identifiziert werden, die auf chronologisch relevante Muster und eine horizontalstratigraphische Gräberfeldentwicklung hindeuteten. Um deren Signifikanz zu überprüfen, erfolgte eine Seriation der Grabinventare mit Keramikbeigaben, wobei wesentliche nicht-chronologische Faktoren, wie Geschlecht, Lebensalter und Sozialstatus, durch die getrennte Betrachtung verschiedener Befundgruppen systematisch eliminiert wurden. Auf diesem Wege ließ sich die chronologische Relevanz der im Zuge der Keramikanalyse beobachteten Verbreitungsmuster weiter untermauern, welche sich schließlich auch in einer abschließenden Gesamtseriation aller auswertbaren Befunde des Gräberfeldes bestätigte. Für die Zeit zwischen den Stufen Hamangia III und Varna II-III konnte auf diesem Wege eine Horizontalstratigraphie mit mehreren Belegungsschwerpunkten in insgesamt drei Merkmalgruppen herausgearbeitet werden. In Merkmalgruppe Durankulak I, welche etwa der Stufe Hamangia III nach H. Todorova entspricht, zeichnete sich sowohl in den keramischen Merkmalen als auch in Totenritual und Belegungsentwicklung des Gräberfeldes zunächst eine endogene Kulturentwicklung mit Kontinuitäten aus Hamangia I-II ab. Die Merkmalgruppe Durankulak II markierte dann jedoch einen klaren materiellen Bruch mit diesen lokalen Traditionslinien. Letzterer war über die Erschließung eines neuen räumlichen Belegungsschwerpunktes auch in der Belegungsstruktur des Gräberfeldes zu erkennen. Gleichzeitig ließ sich jedoch ein Fortleben bzw. die fortschreitende Ausdifferenzierung der einheimisch geprägten Totenlage und ihrer Geschlechtsspezifik konstatieren. Entsprechend dürften hier die Ansiedlung ortsfremder Individuen sowie deren Interaktionen mit der lokalen Bevölkerung fassbar werden. Dabei spiegelte sich keine zeitliche Folge von Komplexen unterschiedlicher kultureller Prägung, sondern ein kontinuierlich fortschreitender Akkulturationsprozess wider. Exogene Einflüsse überprägten dabei die lokale Kultur auf breiter Ebene und belegen eine erhebliche soziale Dynamik und Mobilität in diesem Horizont. Der Übergang zur letzten Merkmalgruppe Durankulak III erfolgte dann jedoch wieder kontinuierlich, mit vergleichsweise wenigen Neuerungen in der materiellen Kultur, und bestätigte sich erneut auch horizontalstratigraphisch. Die Gräber dieser Merkmalgruppe schlossen räumlich an bereits existierende Gräberfeldareale an und füllten bestehende Lücken, ohne allerdings neue Bestattungsareale zu erschließen. Mit dem Ende dieser chronologisch bedingten Merkmalgruppe Durankulak III brach schließlich auch die Belegung des Gräberfeldes insgesamt ab. Im Rahmen der vorliegenden Studie konnte somit nachgewiesen werden, dass die in Durankulak fassbaren Entwicklungen nicht linear verliefen. Vielmehr waren sie durch Mobilitätsphänomene und somit eine Kombination aus endogenen Entwicklungen und exogenen Einflüssen geprägt. Über die lokale Keramikentwicklung wurden demnach komplexe kulturelle Beziehungen zwischen spätneolithischen und kupferzeitlichen Gemeinschaften im westlichen Schwarzmeerraum fassbar. Auch wenn eine gesicherte Parallelisierung mit benachbarten Kulturerscheinungen aufgrund des regionalen Forschungsstandes vorerst nicht gelang, kann die vorliegende Arbeit somit Ansatzpunkte für zukünftige Forschungen liefern.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-469019
hdl:20.500.11880/41981
http://dx.doi.org/10.22028/D291-46901
Erstgutachter: Hornung, Sabine
Tag der mündlichen Prüfung: 6-Jun-2023
Datum des Eintrags: 8-Jun-2026
Fakultät: P - Philosophische Fakultät
Fachrichtung: P - Altertumswissenschaften
Professur: P - Prof. Dr. Sabine Hornung
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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