Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-43663
Titel: „Der Natur helfen und nicht zwingen“ : Reiter, Pferd und Kandare in der Reitkunst der Frühen Neuzeit
VerfasserIn: Selge, Mariam
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2024
DDC-Sachgruppe: 900 Geschichte
940 Geschichte Europas
Dokumenttyp: Dissertation
Abstract: Die vorliegende Dissertation verfolgt zwei Ziele. Erstens soll die Geschichte der Reitkunst des 16. und 17. Jahrhunderts ergänzt und, wo für nötig befunden, neu geschrieben werden. Dabei dient der agentielle Realismus als theoretische und das diffraktive Lesen als methodische Grundlage. Daraus ergibt sich das zweite Ziel: Zu testen, inwiefern die gewählte Theorie und Methodologie für eine Arbeit mit historischen Quellen geeignet ist und so zu einer ganzheitlicheren Geschichtsschreibung beitragen kann. Darüber hinaus möchte diese Arbeit auch einen praktischen Beitrag leisten, indem sie dem heutigen Pferdeliebhaber einen einfacheren Zugang zur frühneuzeitlichen hippologischen Literatur vermittelt. Als Quellen dienen Reitlehren und Gebissbücher des 16. und 17. Jahrhunderts. Dabei wird überwiegend die deutschsprachige hippologische Literatur erforscht, wobei aber auch auf ausgewählte italienische, französische und iberische Werke eingegangen wird. Durch die Analyse der Beziehung zwischen einem Menschen, einem Tier und einem materiellen Gegenstand reiht sich die Dissertation sowohl in die allgemeine Kulturgeschichte als auch in die Human-Animal Studies ein. Der Schwerpunkt liegt in der Intra-Aktion zwischen einer Kandare, eines Reitkunstpferdes und einem Reiter sowie deren Agencies. In der Arbeit ergeben sich die Wechselwirkungen zwischen allen Agencies: Die Agency des Pferdes geht so weit, wie das Pferd sie ausführen will und dabei von der Agency des Gebisses und der des Reiters nicht daran gehindert werden kann, beeinflusst aber ihrerseits ebenfalls die Reichweite der Agency des Reiters und des Gebisses. Aus der Verschränkung aller beteiligten Agencies entstehen das Reitkunstpferd, der Reiter und die Kandare. Die vorliegende Dissertation leistet als Ergebnis einen Beitrag an drei Fronten. Erstens wurde die Tauglichkeit des agentiellen Realismus für die Geschichtsforschung getestet und für geeignet befunden. Das diffraktive Lesen im Sinne des agentiellen Realismus erlaubt, Quellen durcheinander zu lesen, wodurch neue historische Erkenntnisse gewonnen werden können. Zweitens wurden mehrere in der Historiographie der Reitkunst bis jetzt geltende Meinungen als falsch gefunden und Vorschläge für eine differenziertere Betrachtung gemacht. Dazu gehört die Neubewertung von Grisones Gewaltschule und Pluvinels angeblicher Pferdefreundlichkeit sowie der stark vereinfachenden Aufteilung der Reitkunst nach nationalen Schulen, die bisher unreflektiert in gewaltbasiert oder pferdefreundlich eingeteilt wurden. Drittens gibt diese Dissertation eine Empfehlung an heutige Pferdeliebhaber, die sich in ihrer Reitpraxis mit der historischen Reitkunst auseinandersetzen: Auf der Suche nach einem pferdefreundlicheren Zugang zur Ausbildung lohnt es sich, vom üblichen Kanon der Reitlehren abzuweichen und sich auch mit den Texten weniger bekannter Reitmeister wie Hörwart und Lieb auseinanderzusetzen.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-436639
hdl:20.500.11880/39230
http://dx.doi.org/10.22028/D291-43663
Erstgutachter: Behringer, Wolfgang
Tag der mündlichen Prüfung: 6-Nov-2024
Datum des Eintrags: 19-Dez-2024
Fakultät: P - Philosophische Fakultät
Fachrichtung: P - Geschichte
Professur: P - Prof. Dr. Michael Hahn
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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