Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-39790
Titel: Stärkung der Patientenkompetenz und mögliches Verbesserungspotential in der Versorgung einsatzgeschädigter Soldatinnen und Soldaten: Lassen sich durch problemzentrierte Interviews mit betroffenen Soldatinnen und Soldaten Einflussfaktoren auf Patientenkompetenz und Verbesserungspotential für die Versorgung aufzeigen.
VerfasserIn: Hornung, Kathrin
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2022
Erscheinungsort: Homburg/Saar
DDC-Sachgruppe: 000 Allgemeines, Wissenschaft
355 Militär
610 Medizin, Gesundheit
Dokumenttyp: Dissertation
Abstract: In den letzten Jahrzehnten hat die Anzahl an Auslandseinsätzen, an denen die Bundeswehr beteiligt ist, zugenommen. Deutsche SoldatInnen, welche an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilnehmen, sind einem 2-4-fach erhöhten Risiko ausgesetzt, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken. [26] Dies führt dazu, dass in der militärischen hausärztlichen Praxis die Anzahl an PTBS erkrankten SoldatInnen stetig zunimmt. Der ganzheitlichen Betreuung dieser PatientInnen kommt eine immer größer werdende Bedeutung zu.Über Einflussfaktoren auf die Patientenkompetenz und die Versorgung von aktiven, psychisch einsatzgeschädigten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr liegen unseres Wissens bislang keinerlei aussagekräftigen, wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Ziel der Studie war es, diese Wissenslücke zu schließen und die Forschungsfrage zu beantworten, welche Einflussfaktoren auf die Patientenkompetenz und die Versorgung von psychisch einsatzgeschädigten SoldatInnen mittels qualitativer Inhaltsanalyse von Interviews mit Betroffenen identifiziert werden können. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden insgesamt 14 teilstrukturierte und problem-zentrierte Interviews mit Soldatinnen und Soldaten, bei denen eine psychische Einsatzschädigung vorlag, geführt. Die InterviewpartnerInnen stammten insgesamt aus 4 verschiedenen Dienstgradgruppen und 4 verschiedenen Teilstreitkräften. Die befragte Patientengruppe wies eine Altersspanne von 35-49 Jahren auf. Im Anschluss erfolgte die Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Hierbei wurde das Textmaterial im Rahmen eines mehrstufigen Prozesses mit dem Programm MAXQDA codiert. Zentraler Bestandteil der qualitativen Inhaltsanalyse war ein deduktiv erarbeitetes Haupt-Kategoriensystem, welches Themenfelder in Anlehnung an die vorformulierten Themen des Interviewleitfadens festlegte. In weiteren Schritten erfolgte die induktive Überarbeitung des Haupt-Kategoriensystems und der Themenfelder, um den komplexen Aussagen der Interviewteilnehmer Rechnung zu tragen. Die ursprünglichen Kategorien konnten so modifiziert werden und weitere Kategorien und Subkategorien aufgenommen werden. Das Ziel war es, das Material auf seine wesentlichen Inhalte zu reduzieren und durch Abstraktion ein überschaubares, realistisches Abbild des Grundmaterials darzustellen. Ergebnisse In unserer Studie konnte gezeigt werden, dass Patientenkompetenz und Versorgung im Patientenkollektiv von aktiven, psychisch einsatzgeschädigten SoldatInnen unweigerlich miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig begünstigen oder behindern können. Es konnten erste Erkenntnisse zu Einflussfaktoren auf Patientenkompetenz und Versorgung identifiziert und in insgesamt 70 Themenfelder kategorisiert werden. Es zeigte sich, wie wichtig die individuelle Patientenkompetenz für das Erkennen der Erkrankung, den Krankheitsverlauf, die dienstliche und soziale Integration, den Alltag der Betroffenen und schlussendlich auch für die Versorgung ist. Dabei wurde deutlich, dass die Ausbildung einer funktionierenden Sozialstruktur, insbesondere aus dem unmittelbaren privaten wie dienstlichen Umfeld, eine entscheidende Rolle spielt. Im positiven wie im negativen Sinne kann diese Sozialstruktur Einfluss auf die individuelle Patientenkompetenz nehmen. Familienmitglieder, Vorgesetzte und der Kameradenkreis scheinen hierbei erhebliche Einflussgrößen zu sein. Durch diese Studie konnten neben der Patientenkompetenz erstmalig einige Aspekte der Versorgung aus Sicht der betroffenen SoldatInnen im Detail beschrieben werden. Die Funktion der TruppenärztInnen sowie der Einstieg in den Bedürfnissen der Betroffenen angepasste Therapiemaßnahmen und deren Verlauf scheinen hierbei - neben anderen Faktoren - großen Einfluss zu haben. Frühere Studien legten bereits die Vermutung nahe, dass das „Wehrdienstbeschädigungs-Verfahren“ - welches innerhalb der Bundeswehr essentiell für die Betroffenen ist, um insbesondere materielle Versorgungsleistungen beziehen zu können- mit all seinen Aspekten (Bürokratie, Begutachtungen etc.), belastend für die betroffenen SoldatInnen sein kann. Die Studie konnte erstmalig darstellen, wie belastend das WDB- Verfahren wirklich empfunden wurde und konnte weitere Probleme wie die aufwendige Bürokratie, lange Wartezeiten, undurchsichtigen Prozesse in diesem Kontext aus Sicht der SoldatInnen aufzeigen. Diskussion Obwohl ein breites Angebot für Hilfs- und Versorgungsleistungen der Bundeswehr existiert, sind die Inanspruchnahme und der Erfolg der Maßnahmen im Wesentlichen von der Patientenkompetenz und von einem den Betroffenen bekanntes und auf deren Bedürfnisse zugeschnittenes Versorgungsangebot abhängig. Besteht eine internale Abneigungshaltung gegenüber Hilfsangeboten, so kommt es häufig zu einer verspäteten Krankheitseinsicht mit folgender Einschränkung für die Lebensführung. Des Weiteren mangelt es durch diese internale Abneigung Hilfsangeboten gegenüber an der Umsetzung von Möglichkeiten dieser Einwicklung positiv entgegenzuwirken. Demnach kommt es, wenn überhaupt, sehr verzögert zur Diagnosestellung und zur Einleitung einer Therapie. Die Abneigungshaltung und fehlende Krankheitseinsicht ist häufig mit dem Selbstbild der SoldatInnen verknüpft und durch Stigmatisierung begründet. Es scheint also notwendig, Stigmatisierung und das Selbstbild der SoldatInnen aufzuarbeiten und einen Weg zu finden den SoldatInnen zu vermitteln, dass das unverwundbare Selbstbild eine psychische Erkrankung nicht ausklammern darf. Dem Kreis der engsten Vertrauten, der Sozialstruktur im direkten Umfeld der Betroffenen scheint hierbei eine Schlüsselrolle zuzukommen, der zukünftig noch intensivere Beachtung zukommen sollte. Aus den Erkenntnissen zu den Versorgungsleistungen kann sich mögliches Potenzial für eine Veränderung bzw. Verbesserung der Prozesse ergeben. Neben der Reduktion bürokratischer Prozesse könnte ein wesentlicher Aspekt hierbei die stärkere Integration der betroffenen SoldatInnen, einschließlich der Vertrauten aus der unmittelbaren Sozialstruktur der Betroffenen, in den Prozess sein, um eine Transparenz für die betroffene Person zu schaffen und somit das Verständnis zu fördern.
In recent decades, the number of foreign missions in which the German Armed Forces is involved has increased. German soldiers who participate in missions abroad are at increased risk (2-4 times) of developing post-traumatic stress disorder (PTSD). [26] As a result, the number of soldiers suffering from PTSD is steadily rising in military family practice. The holistic care of these patients is becoming increasingly important. It is clear that there is a multifaceted nature to the individual approach for treating the disease and the development of a patient competence that approximates a highly complex clinical picture. Comprehensive care with a view to the individual needs of those affected and with a claim to provide helpful elements from the diverse range of support services is often difficult if not frustrating. The reasons for this are often not clearly identifiable, as they represent a complex web of different influencing factors. To the best of our knowledge, there are no meaningful scientific findings on the factors influencing patient competence and the care of active soldiers in the German Armed Forces who have suffered psychological deployment injuries. The aim of the study was to close this knowledge gap and to answer the research question of which factors influence patient competence and the care of psychologically injured soldiers by means of qualitative content analysis of interviews with those affected. Methods A total of 14 semi-structured and problem-centred interviews were conducted with male and female soldiers who had experienced psychological deployment injuries. The interviewees came from a total of 4 different rank groups and 4 different branches of the Armed Forces. The age range was 35-49 years. Subsequently, the evaluation was carried out using qualitative content analysis according to Mayring. The text material was coded in a multi-stage process using the MAXQDA programme. The central component of the qualitative content analysis was a deductively developed main category system, which defined topic areas based on the pre-formulated topics of the interview guide. In further steps, the main category system and the topic areas were inductively revised in order to take into account the complex statements of the interview participants. The original categories could thus be modified and further categories and subcategories included. The aim was to reduce the material to its essential content and to present a manageable, realistic picture of the basic material through abstraction. Results In our study, we were able to show that patient competence and care are inevitably linked in the patient collective of psychologically injured soldiers and that they can favour or hinder each other. Initial findings on factors influencing patient competence and care were identified and categorised into a total of 70 topic areas. It became apparent how important individual patient competence is for the recognition of the disease, the course of the disease, integration into service and social life, the everyday life of the person affected and finally also for care. It became clear that the formation of a functioning social structure, in which the immediate private and service environment in particular plays a decisive role. In both a positive and negative sense, this social structure can have an influence on individual patient competence. Family members, superiors and the circle of comrades seem to be significant influencing factors in this respect. This study made it possible for the first time to describe in detail some aspects of care from the perspective of the affected soldiers, in addition to patient competence. Among other factors, the function of the military doctors as well as the introduction of therapy measures adapted to the needs of the affected persons and their course appear to have a great influence. Earlier studies already suggested that the compensation procedure for disability incurred during military service (Wehrdienstbeschädigung, WDB) - which is essential for those affected within the German Armed Forces, especially in order to be able to receive material benefits - with all its aspects (bureaucracy, assessments, etc.), can be stressful for soldiers. The study was able to show for the first time how stressful the WDB process really is and was able to show other problems such as the complex bureaucracy, long waiting times and non-transparent processes in this context from the soldiers' point of view. Discussion Although there is a wide range of support and care services offered by the Armed Forces, the utilisation and success of the measures is essentially dependent on a patient's competence and on a range of services that are known to those affected and tailored to their needs. If there is an internal reluctance to accept offers of help, this often leads to a delayed understanding of the illness with subsequent restrictions on the person's way of life. Furthermore, due to this internal aversion to offers of help, there is a lack of possibilities to positively counteract this development. Consequently, the diagnosis and initiation of therapy is delayed, if they take place at all. The attitude of aversion and lack of insight into the illness is often linked to a soldiers' self-image and is associated with stigmas. It therefore seems necessary to work through stigmatisation and self-image issues and to find a way to convey to soldiers that the invulnerable self-image must not exclude a mental illness. A circle of the closest confidants and the social structure in the direct environment of those affected appear to play a key role that should be given even more attention in the future. Potential for change or improvement of processes can be based on the findings on care services. In addition to a reduction of bureaucratic processes, another essential aspect could be greater integration of affected soldiers, including those familiar with their immediate social structure, into the process in order to create transparency and thus promote understanding.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-397908
hdl:20.500.11880/35918
http://dx.doi.org/10.22028/D291-39790
Erstgutachter: Jäger, Johannes
Tag der mündlichen Prüfung: 16-Mai-2023
Datum des Eintrags: 5-Jun-2023
Fakultät: M - Medizinische Fakultät
Fachrichtung: M - Zentrum für Allgemeinmedizin
Professur: M - Keiner Professur zugeordnet
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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