Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-37683
Titel: Prospektive Analyse der Lebensqualität und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit Multipler Sklerose
VerfasserIn: Guliyeva, Sanura
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2022
Erscheinungsort: Homburg/Saar
DDC-Sachgruppe: 610 Medizin, Gesundheit
Dokumenttyp: Dissertation
Abstract: Theory: The accompanying cognitive dysfunction in multiple sclerosis has moved more and more into the focus of everyday clinical practice in recent years. One of the main reasons for reduced employment or earlier retirement of MS patients may be cognitive deficits. In addition, patients with cognitive disorders are less likely to be employed, show less social commitment, have more problems coping with their daily routine, and display more dysfunctional or avoidant coping strategies. When it comes to the quality of life in chronic diseases and their therapies, social, psychological and physical factors play a major role. In multiple sclerosis, in addition to physical disabilities, this applies in partic- ular to neurogenic bladder disorders, severe fatigue, depression and cognitive limita- tions, such as forgetfulness, lack of concentration, poor stamina, emotional instability, reduced perception. Aim: The main objective of our study was therefore to work out whether the prevalence of cognitive deficits can be ascertained with the help of new diagnostic options. Methods: The cognitive function was tested with the memory and attention test (MAT). Seven cognitive domains were examined: verbal, figural, episodic working memory, ver- bal, figural, episodic short-term memory and attention performance. The quality of life was assessed with the Short Form 36 health questionnaire (SF-36) and the ability to work with the Work Ability Index (WAI). The SF-36 covers 8 dimensions that can be conceptually classified into the areas of "physical health" and "mental health". The WAI primarily takes into account the subjective assessment of the person interviewed. Results: The results showed that there is no connection between memory or attention and work ability (p = 0.724). There was a significant correlation between the subjects' cognitive function and quality of life. The better the cognitive function in the MAT test, the higher the quality of life measured by the physical SF-36 values, with p = .020 and the mental SF-36 values, with p = .002 at an alpha level of 0.01. Interestingly, there was no correlation between the form of MS and the ability to work (p = 0.17). There was a significantly negative correlation between the form of MS and qual- ity of life. The subjects with CIS showed a poorer quality of life than with SPMS, although with CIS there are usually no permanent limitations and with SPMS there are often per- manent limitations. The physical quality of life was p <.001 and the mental quality of life was p = .005 at an alpha level of 0.01. With an increase in the EDSS value, the ability to work decreases. The Spearman rank correlation calculation showed a highly significant p <0.01 at an alpha level of 0.01 (Brotz & Doring, 2006). Interestingly, the quality of life improves as the impairment caused by MS (EDSS) in- creases. The physical SF-36 values were p <.001, the mental SF-36 values were p <.001 at an alpha level of 0.01. There was no connection between the level of education and quality of life. The physical SF-36 values were p = .647, the mental SF-36 values p> .960. The patients also did not differ in terms of their education in the degree of their ability to work. With 𝛘2 (8) = 5.15 and p = .741 no significant result could be shown. Conclusions: In the basic diagnosis it was shown that there was an influence of memory performance and the course of MS on the quality of life, but no influence of these factors on the ability to work. With regard to the degree of disability, there was an influence on the quality of life as well as on the ability to work. There was no influence of the level of education on the quality of life and the ability to work. This study shows an important relationship between the cognitive function of patients with MS and their quality of life. Further studies are needed to examine the various fac- tors influencing work ability. Perhaps early recognition of the incapacity for work and early retirement of patients will improve the quality of life.
Hintergrund: Die bei der Multiplen Sklerose begleitend auftretenden kognitiven Funkti-onsstörungen rücken in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus des klinischen Alltags. Mit einer der Hauptgründe für die Minderung der Erwerbstätigkeit bzw. einer früheren Berentung der MS Patienten können die kognitiven Defizite sein. Darüber hin-aus sind Patienten mit kognitiven Störungen seltener berufstätig, zeigen weniger sozia-les Engagement, haben mehr Probleme bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Routine und zeigen mehr dysfunktionale bzw. vermeidende Bewältigungsstrategien. Was die Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen und ihre Therapien betrifft, spie-len sowohl soziale, psychische und physische Faktoren eine große Rolle. Bei der Mul-tiplen Sklerose betrifft dies insbesondere neben den körperlichen Behinderungen die neurogenen Blasenstörungen, die starke Ermüdbarkeit (Fatigue), Depressionen und kognitive Einschränkungen, wie z.B. Vergesslichkeit, Konzentrationsmangel, geringes Durchhaltevermögen, emotionale Instabilität, vermindertes Auffassungsvermögen. Ziel: Hauptziel unserer Studie war es daher zu erarbeiten, inwieweit Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität der MS Patienten durch kognitive Funktion, Behinderungsgrad, MS Ver-laufsform und beeinflusst wird. Methoden: Es wurden Patienten mit Multiple Sklerose prospektiv in eine Kohortenstudie eingeschlossen. Neben demographischen Daten wurden Informationen zur MS Erkran-kung gesammelt. Zudem wurde die kognitive Funktion der Probanden mit dem Merkfä-higkeits- und Aufmerksamkeitstest (MAT) getestet. Die Lebensqualität wurde mit dem Short Form 36 Gesundheitsfragebogen (SF-36) und die Erwerbsfähigkeit mit dem Work Ability Index (WAI) erhoben. Die statistische Analyse erfolgte mit dem SPSS Programm, Version 25. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigten, dass es in dieser Kohorte keinen Zusammenhang zwischen der Gedächtnis-, bzw. Aufmerksamkeitsleistung und der Arbeitsfähigkeit gibt (p = 0,724). Es bestand jedoch eine signifikante Korrelation zwischen der kognitiven Funktion der Probanden und der Lebensqualität. Je besser die kognitive Funktion im MAT Test war, desto signifikant höher war die Lebensqualität gemessen an den physischen SF-36 Wer-ten (p = 0,020) und den mentalen SF - 36 Werten (p = 0,002). Interessanteweise zeigte sich keine Korrelation zwischen der Verlaufsform der MS und der Arbeitsfähigkeit (p = 0,17). Zwischen der Verlaufsform der MS und der Lebensquali-tät bestand ein signifikant negativer Zusammenhang. Die Probanden mit CIS zeigten eine schlechtere Lebensqualität als bei SPMS mit einem hochsignifikanten Unterschied in der physischen Lebensqualität (p< 0,0001) und der mentalen Lebensqualität (p =0,005). Dies ist erstaunlich, da es bei CIS keine bleibenden Einschränkungen gibt, wäh-rend bei SPMS bleibende Einschränkungen bestehen. Mit einer Steigerung des im EDSS gemessenen Behinderungsgrades nahm die Arbeits-fähigkeit signifikant ab (p<0,01). Interessanterweise verbessert sich die Lebensqualität mit zunehmender Beeinträchtigung durch die MS (EDSS). Die physischen SF-36 Werte und die mentalen SF - 36 Werte lagen mit Zunahme des EDSS signifikant höher (p <0,001). Zwischen dem Bildungsstand und der Lebensqualität zeigte sich kein signifikanter Zu-sammenhang. Die Proband*innen unterschieden sich auch nicht hinsichtlich ihrer Bil-dung im Grad ihrer Arbeitsfähigkeit. Fazit: In der Basisdiagnostik zeigte sich, dass es einen Einfluss der Gedächtnisleistung und MS-Verlaufsform auf die Lebensqualität gab, jedoch keinen Einfluss dieser Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit. Bezüglich des Behinderungsgrades gab es Einfluss auf die Le-bensqualität, sowie auch auf die Arbeitsfähigkeit. Es zeigte sich kein Einfluss des Bil-dungsstandes auf die Lebensqualität und die Arbeitsfähigkeit. Diese Studie zeigt einen wichtigen Zusammenhang zwischen der kognitiven Funktion von Patienten mit MS und deren Lebensqualität. Weitere Studien zur Untersuchung der verschiedenen Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit sind nötig. Vielleicht werden durch eine rechtzeitige Anerkennung der Arbeitsunfähigkeit und früheren Berentung der Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität möglich.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-376837
hdl:20.500.11880/34130
http://dx.doi.org/10.22028/D291-37683
Erstgutachter: Faßbender, Klaus
Tag der mündlichen Prüfung: 20-Okt-2022
Datum des Eintrags: 27-Okt-2022
Fakultät: M - Medizinische Fakultät
Fachrichtung: M - Neurologie und Psychiatrie
Professur: M - Prof. Dr. Klaus Faßbender
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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