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doi:10.22028/D291-36122
Titel: | Prospektive Untersuchung klinischer Merkmale und deren Auswirkung auf den Verlauf kognitiver und depressiver Symptome beim Morbus Parkinson |
VerfasserIn: | Hetterich, Lydia Margaretha |
Sprache: | Deutsch |
Erscheinungsjahr: | 2021 |
Erscheinungsort: | Homburg/Saar |
DDC-Sachgruppe: | 610 Medizin, Gesundheit |
Dokumenttyp: | Dissertation |
Abstract: | Einleitung
Der Morbus Parkinson ist eine chronisch neurodegenerative Erkrankung, welche anhand ihrer motorischen Symptome diagnostiziert wird. Allerdings geraten auch nicht-motorische Symptome wie Depression und Demenz immer mehr in den Fokus der Forschung. Aufgrund dessen soll die folgende Arbeit untersuchen, ob diese nicht-motorischen Symptome des Morbus Parkinson durch biographische Charakteristika beeinflusst werden.
Material und Methodik
In einer klinischen Studie von Januar 2016 bis Januar 2017 wurden 89 Patienten mit Morbus Parkinson befragt (Alter 71 ± 8 Jahre, Mittelwert ± Standardabweichung, 36 Frauen, 53 Männer), deren Erstdiagnose mindestens sechs Jahre zurückliegt. Die Patienten durchliefen dabei drei klinisch standardisierte Testverfahren – CERAD-Testung, Beck’s Depression Inventar (BDI) und Parkinson’s Disease Quality of Life Questionaire-8 (PDQ-8) –, welche die Kognition, die affektive Stimmungslage und die Alltagskompetenzen überprüfen.
Zusätzlich wurde ein Fragebogen entwickelt, der sowohl qualitative als auch quantitative Parameter abfragt: An qualitativen Parametern wurden das Geschlecht, der motorische Dominanztyp des Morbus Parkinson (hypokinetisch-rigider Dominanztyp, Tremordominanztyp, Äquivalenztyp), die Seitendominanz des Morbus Parkinson, Händigkeit, Schreibhandparkinson, Partnerschaft, Vorliegen definierter Vorerkrankungen (Hypertonie, Diabetes oder Hypothyreose), Vorliegen einer Pflegestufe, eventuelle Einnahme von Antidepressiva und eine eventuell bestehende tiefe Hirnstimulation erhoben. Ermittelte quantitative Merkmale waren Alter bei Erstdiagnose des Morbus Parkinson, Erkrankungsdauer, Ausbildungsjahre und Parkinsonmedikation.
Den Befunden des BDI, des PDQ-8 und der CERAD-Testung wurden die Werte der Parameter des Fragebogens gegenübergestellt.
Ergebnisse
Im PDQ-8 erreichten Patienten mit Pflegestufe 2 oder 3 mehr Punkte als Patienten ohne Pflegestufe, was eine als geringer empfundene Lebensqualität widerspiegelt.
Patienten mit Pflegestufe 2 oder 3 hatten signifikant mehr Punkte im BDI-Test, waren also depressiver als Patienten, die keine Pflegestufe hatten. Ein weiterer signifikanter Befund des BDI zeigte sich bei Patienten, bei denen die Seite der Schreibhand und die vom Morbus Parkinson stärker betroffene Körperseite übereinstimmten (=Schreibhandparkinson): Patienten ohne Schreibhandparkinson waren signifikant depressiver als Patienten mit Schreibhandparkinson.
Die CERAD-Testung zeigte darüber hinaus zahlreiche signifikante Korrelationen mit biographischen Parametern: Frauen konnten sich signifikant an mehr vorgelesene Wörter kurzfristig erinnern und diese wiedergeben sowie signifikant mehr Wörter mit demselben Anfangsbuchstaben nennen als Männer.
Die Leistungen beim Abzeichnen sowie Abrufen von Figuren und in der Phonematischen Flüssigkeit korrelierten invers mit dem Vorliegen und der Höhe einer Pflegestufe.
Patienten mit Diabetes mellitus konnten sich signifikant an mehr vorgelesene Wörter kurzfristig erinnern und diese wiedergeben. Darüber hinaus war es ihnen besser möglich, eine erlernte Wortliste mit Verzögerung abzurufen, eine Wortliste wiederzuerkennen und in einem definierten Zeitraum möglichst viele Wörter mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben zu nennen als Parkinsonpatienten ohne Diabetes mellitus.
Die Händigkeit beeinflusste signifikant die Leistung im Boston Naming-Test und die Fähigkeit, Figuren abzuzeichnen. Linkshänder schnitten in beiden Tests besser ab.
Patienten, bei denen die Seite der Schreibhand und die vom Morbus Parkinson stärker betroffene Körperseite übereinstimmten, wiesen im Mini Mental State-Test signifikant bessere Leistungen auf als Patienten, bei denen die Seite der Schreibhand und die vom Morbus Parkinson stärker betroffene Körperseite differierten.
Patienten mit rechtsbetontem Morbus Parkinson konnten sich signifikant besser an Figuren erinnern und diese zeichnen als Patienten mit linksbetontem Morbus Parkinson.
Patienten, die eine tiefe Hirnstimulation (THS) erhalten, schnitten im Boston Naming-Test, beim Abrufen von Figuren sowie bei Phonematischer Flüssigkeit signifikant besser ab als Patienten ohne Tiefenhirnstimulation.
Schlussfolgerung
Patienten ohne Pflegestufe, Patienten mit Diabetes mellitus und Patienten mit THS weisen bei verschiedenen nicht-motorischen Symptomen, wie Depression und Demenz einen günstigeren Verlauf der Krankheit auf. Die Pflegestufe beeinflusst dabei Depression sowie Demenz, Diabetes und THS nur die Demenz. Der günstigere Verlauf bei Patienten mit Diabetes mellitus könnte möglicherweise auf einem neuroprotektivem Effekt der antidiabetischen Medikation, welcher von verschiedenen Forschungsgruppen diskutiert wird, beruhen. Introduction Parkinson’s disease is a chronic neurodegenerative disease, which is diagnosed by use of clinical motor criteria. Actually, the non-motor symptoms depression and dementia are also prevalent. This doctoral thesis should investigate, whether these non-motor symptoms are influenced by biographic characteristics. Methods 89 patients with Parkinson´s disease (age 71 ± 8 years, mean ± standard deviation, 36 females, 53 males) with a disease duration of at least six years were examined from January 2016 to January 2017). The patients underwent three different clinical tests: the CERAD testing, the Beck’s Depression Inventory (BDI) and the Parkinson’s Disease Quality of Life Questionaire-8 (PDQ-8). These tests investigate the cognition, mood and competence in daily life. Additionally a questionnaire was designed which examined qualitative and quantitative parameters: The qualitative characteristics were gender, motor dominance of PD (tremor, hypokinetic-rigid or equivalence type), body side of onset, handedness, PD on dominant side, partnership existence of defined diseases (hypertonia, diabetes mellitus, hypothyroidism), need of care (“Pflegestufe”), antidepressant usage, deep brain stimulation (DBS). The quantitative characteristics were age of onset, duration of disease, years of education and medication (equivalent dose). The BDI, PDQ-8 and CERAD were compared to the parameters of the questionnaire. Results Patients with “Pflegestufe” 2 or 3 gained more points in PDQ-8, which reflects a reduced quality of life. Patients with “Pflegestufe” 2 or 3 had significant more points in BDI, so they were more depressed than patients without “Pflegestufe”. Patients with side of onset and handedness on the same body side were less depressed in the BDI than patients with side of onset and handedness on different body sides. By apply of the CERAD testing a lot of correlations appeared: female patients were significantly better in Word List Learning and Verbal Fluency for S-Words than male patients. The results in Constructional Praxis, Constructional Praxis Recall and Verbal Fluency (S-Words) correlated inversely with the existence and the level of the “Pflegestufe”. Patients with diabetes mellitus gained significantly more points in Word List Learning, Word List Recall, Word List Recognition and Verbal Fluency (S-Words) than patients without diabetes. Left-handed patients were significantly better in Boston Naming Test and in Constructional Praxis. Patients whose side of onset and handedness was the same had significantly better results in Mini Mental State than patients whose side of onset differed from the handedness. Patients whose side of onset was right gained more points in Constructional Praxis Recall than the ones whose side of onset was the left side. People who had deep brain stimulation were significantly better in Boston Naming Test, Complex Construction Recall and Verbal Fluency (S-Words) than people who had not undertaken DBS. Conclusions Patients without „Pflegestufe“, patients with diabetes mellitus and patients with deep brain stimulation seem to have a better prognosis concerning the non-motor symptoms depression and dementia (“Pflegestufe” for depression and dementia, Diabetes and DBS for dementia). The better prognosis in patients with diabetes mellitus may be caused by a neuroprotective effect of antidiabetic drugs, which is discussed by various research groups. |
Link zu diesem Datensatz: | urn:nbn:de:bsz:291--ds-361221 hdl:20.500.11880/33026 http://dx.doi.org/10.22028/D291-36122 |
Erstgutachter: | Spiegel, Jörg |
Tag der mündlichen Prüfung: | 9-Mai-2022 |
Datum des Eintrags: | 7-Jun-2022 |
Fakultät: | M - Medizinische Fakultät |
Fachrichtung: | M - Neurologie und Psychiatrie |
Professur: | M - Prof. Dr. Klaus Faßbender |
Sammlung: | SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes |
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