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doi:10.22028/D291-35305
Titel: | Sturzrisikoassessment bei geriatrischen Heimbewohnern : Vorstellung eines neuen sensorbasierten Protokolls |
VerfasserIn: | Unger, Eduard Witiko |
Sprache: | Deutsch |
Erscheinungsjahr: | 2021 |
Erscheinungsort: | Homburg/Saar |
DDC-Sachgruppe: | 610 Medizin, Gesundheit |
Dokumenttyp: | Dissertation |
Abstract: | Sturzereignisse im Alter stellen für den Patienten einen hohen individuellen gesundheitlichen Schaden dar. Durch die hohe Anzahl an Sturzereignissen im Alter erfolgt eine erhebliche Mehrbelastung der Sozialversicherungssysteme wie auch der Gesellschaft. Dabei unterliegen Heimbewohner einer weiter erhöhten Morbidität und Krankenhausaufenthaltsdauer. Der Erkennung von Risikopatienten kommt somit eine hohe Bedeutung zu. Eine Sturzrisikoanalyse kann mit Methoden der Ganganalyse erfolgen. Jedoch sind derzeit gängige ganganalytische Verfahren meist nur in medizinischen Zentren mit entsprechender technischer Ausstattung und Expertise etabliert. Für ein alltägliches Routine-Screening sind diese Verfahren nicht praktikabel. Ziel der Arbeit ist es ein auf kabelloser, ambulant einsetzbarer Sensorik basierendes Messprotokoll bezüglich seines prädiktiven Wertes zur Einschätzung des Sturzrisikos in der gewohnten Lebensumgebung von Heimbewohnern zu untersuchen. Ein besonderer Fokus wird auf Überprüfung der praktischen Anwendbarkeit der von Ferne kabellos steuer- und auswertbaren sog. Remote– Messung gelegt, wobei deren Durchführbarkeit und Praktikabilität bewertet werden sollen.
Im Rahmen einer prospektiv beobachtenden Studie wurde bei Heimbewohnern mit einem Alter über 75 Jahren mittels einer einwöchigen, kontinuierlichen Gangmessung im jeweiligen Lebensumfeld (Alltagsbedingungen) mithilfe einer Ganganalysesohle (Moticon GmbH, München) eine individuelle Sturzrisikoanalyse durchgeführt. Zusätzlich erfolgte eine Sturzrisikoeinschätzung anhand von validierten klinischen Tests (Performance Oriented Mobility Assessment - Tinetti, Dynamic Gait Index, Timed Up and Go). Die Sturzereignisse in einem Zeitraum von 6 Monaten vor und 6 Monate nach der Messung wurden den Sturzprotokollen des Heims entnommen. Mittels Korrelation, Mittelwertvergleich und ROC Analyse wurden die Ergebnisse der klinischen Tests mit den Ganganalysedaten verglichen und bezüglich statistisch signifikanter Unterschiede analysiert.
Es konnten 28 Heimbewohner mit einem durchschnittlichen Alter von 88,2 Jahren (range 78,5 – 99,0) in die Studie eingeschlossen werden. Die Messung zeigte gute Akzeptanz und Durchführbarkeit. Mindestens 18 Patienten stürzten mindestens einmal innerhalb der Beobachtungszeit (Faller). Mit dem überprüften sensorbasierten Ganganalyseprotokoll zeigten sich zwischen den Patientengruppen Faller und Non-Faller mehrere auf dem Niveau p < 0,05 signifikant unterschiedliche Gangparameter; unter anderem bei der Verschiebung des Druckmittelpunkts während der Standphase in mediolateraler Richtung (3,8 ± 3,1 vs. -0,3 ± 2,5 mm), der Standardabweichung der Verschiebung in mediolateraler (4,7 ± 2,6 vs. 1,7 ± 0,7 mm) und anteroposteriorer Richtung (25,1 ± 12,4 vs. 6,5 ± 2,8 mm), sowie der Doppelstützzeit (0,7 ± 0,3 vs. 0,5 ± 0,1 s) und der Abweichung der Schwungzeit (0,2 ± 0,1 vs. 0,3 ± 0,1 s). Weiter konnten mit Hilfe der statistisch signifikanten Ergebnisse cut-off Werte zur Einteilung in stark und gering Sturzgefährdete entwickelt werden. In den Sturzrisikoassessments mittels klinischer Tests lagen keine Unter- schiede zwischen den Gruppen Faller und Non-Faller vor.
Das vorgestellte Messprotokoll erlaubt grundsätzlich zur Ermittlung des Sturzrisikos die Unterscheidung zwischen Patienten mit mindestens einem (Faller) und Patienten ohne (non-Faller) Sturzereignis. Es stellt eine einfach durchzuführende, schnelle wie auch günstige Methode zur Erkennung eines erhöhten individuellen Sturzrisikos dar. Durch die Möglichkeit der Freifelduntersuchung im individuellen Lebensumfeld der Probanden ist das auf Ganganalysedaten einer Schuheinlegesohle basierte Messprotokoll aufwändigeren Untersuchungen in Ganganalyselabors überlegen und im Klinikalltag zur Ermittlung eines Sturzrisikos praktikabel. Durch eine individuelle Sturzrisikoanalyse können Risikobewohnern bereits etablierte Präventionsmöglichkeiten angeboten und so das persönliche Risiko zu stürzen gesenkt werden. Außerdem kann die Methode zur Prüfung der Effektivität von Programmen und Maßnahmen zur Sturzprävention oder von therapeutischen Ansätzen zur Verbesserung der Gangsicherheit eingesetzt werden. Development of a dynamic fall risk profile in elderly nursing home residents: A free field gait analysis based study Falls of elderly are associated with a significant individual and socioeconomic burden of disease. The morbidity and mortality increase especially in case of nursing home residents. Using gait analysis, it is possible to detect a risk of falling. But today gait analysis is only performed in medical centers like medical universities, not in the patients´ own environment. A reliable and early detection of residents at risk is implied to offer specific and individual preventive training. Aim of this study is to show the capability of a free field gait analysis insole to gather significant fall related gait parameters, further, to evaluate its usefulness in determining an individual fall risk. 28 nursing home residents over the age of 75 years were included in an observational study. Over 1 week a continuous gait analysis for each resident was performed by using an open go insole (Moticon GmbH, Munich). At baseline, fall risk was determined with 3 common clinical scores (POMA, DGI, TUG). Over 12 months, 6 months before and 6 after the gait measurement, all fall events were recorded. For statistical testing correlation analysis, average comparison as well as ROC analysis were performed. 28 residents with an average age of 88.2 years (range 78 – 99) participated in the study. 18 residents had at least one fall event. There was no statistically significant link between clinical assessments and fall risk. Moderate to high correlations with a fall risk and differences between fallers and non-fallers were observed. In particular the double support (0,7 ± 0,3 vs. 0,5 ± 0,1 s) and the standard deviation of swing time (0,2 ± 0,1 vs. 0,3 ± 0,1 s) of fallers were increased. Pressure distribution like standard deviations of displacements of the Center of Pressure in mediolateral (25,1 ± 12,4 vs. 6,5 ± 2,8 mm) and anteroposterior (25,1 ± 12,4 vs. 6,5 ± 2,8 mm) direction during stance phase was extended in fallers. Differences between fallers and non-fallers as well as cut off values for increased fall risk in the ROC analysis could be determined. By using the introduced measurement protocol, it is possible to detect high risk patients without any additional office visits or any complex equipment. Based on the presented findings further studies should now investigate the usefulness of prevention measures triggered by gait analysis, the specific risk reduction and the associated personal and socioeconomic advantages. |
Link zu diesem Datensatz: | urn:nbn:de:bsz:291--ds-353052 hdl:20.500.11880/32938 http://dx.doi.org/10.22028/D291-35305 |
Erstgutachter: | Pohlemann, Tim |
Tag der mündlichen Prüfung: | 8-Nov-2021 |
Datum des Eintrags: | 19-Mai-2022 |
Fakultät: | M - Medizinische Fakultät |
Fachrichtung: | M - Chirurgie |
Professur: | M - Prof. Dr. Tim Pohlemann |
Sammlung: | SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes |
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