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doi:10.22028/D291-34408
Titel: | Status quo der Arzthaftungsbegutachtung im Saarland : eine Analyse medizinischer Gutachten aus dem Landgericht Saarbrücken |
VerfasserIn: | Strecker, Lisa |
Sprache: | Deutsch |
Erscheinungsjahr: | 2020 |
DDC-Sachgruppe: | 610 Medizin, Gesundheit |
Dokumenttyp: | Dissertation |
Abstract: | Zusammenfassung
Die medizinische Gutachtenerstellung gehört zu den Aufgaben und Verpflichtungen eines Arztes. Kenntnisse und Fähigkeiten hierzu werden während des Studiums und der Weiterbildung nicht strukturiert und nur sehr unzureichend vermittelt, sodass es in der Verantwortung des einzelnen Arztes liegt, sich zu diesem Thema fortzubilden. Diese Tatsache wirft die Frage nach der Qualität der Arzthaftungsbegutachtung auf.
In der hier vorliegenden Arbeit wurden 250 medizinische Gutachten aus der 16. Zivilkammer des Landgerichts Saarbrücken aus den Jahren 2009 – 2011 hinsichtlich formaler und plausibel struktureller Begutachtungskriterien analysiert.
Es zeigte sich, dass einige strukturelle Mängel aufgetreten sind, die durchaus Auswirkungen auf die gutachterliche Bewertung der Behandlungsfehler hatten und somit auch gerichtliche Entscheidungen beeinflussen dürften. Unter anderem wurden von den Sachverständigen Behandlungsfehler vermehrt bejaht, wenn zur Bewertung des medizinischen Fehlverhaltens nicht objektive Literaturangaben, sondern die eigene Erfahrung herangezogen wurde. Dies war auch der Fall, wenn keine Trennung zwischen der Sicht ex ante – welche vom Sachverständigen herangezogen werden muss, um das Vorgehen des Arztes zum Zeitpunkt der streitgegenständlichen Behandlung zu bewerten – und der rückblickenden Sicht ex post erfolgte. In der gutachterlichen Einschätzung zur Kausalität der Schäden zeigten sich hingegen sehr wenige Gutachten als fehlerhaft, was in diesen Fällen auf eine qualitativ hochwertige Gutachtenerstellung schließen lässt.
Als Hauptgründe für die Mängel werden vor allem eine unzureichende Einarbeitung der Sachverständigen in die Grundlagen der medizinischen Gutachtenerstellung, aber auch in den juristischen Kontext vermutet. Eine Verbesserung der Qualität wäre beispielsweise mit von der Ärztekammer vorgeschriebenen strukturierten Fortbildungen für Ärzte oder durch standardisierte Leitlinien beziehungsweise Richtlinien für formale und inhaltliche Kriterien zu erreichen.
Aber auch an anderer Stelle waren Auffälligkeiten erkennbar, deren Ursachen eher bei der Auswahl der Sachverständigen durch die Gerichte zu suchen sind. Situationen, in denen die Sachverständigen vermehrt dazu neigten, Behandlungsfehler fehleinzuschätzen, lagen unter anderem dann vor, wenn sich das Fachgebiet des Sachverständigen nicht mit dem Fachgebiet des beklagten Arztes deckte oder wenn die Größe der Versorgungsstruktur, aus der der beklagte Arzt entstammte, nicht mit der Größe der Versorgungsstruktur des Sachverständigen übereinstimmte. Insbesondere Sachverständige aus größeren Versorgungsstrukturen, wie den Universitätskliniken, legten bei ihrer Bewertung eine apparative Ausstattung und ein supportives Netzwerk zugrunde, welches in anderen Versorgungsstufen nicht ohne Weiteres zugänglich ist, was die Bewertung der ärztlichen Maßnahme zuungunsten des beklagten Arztes beeinflusste. Bei der Auswahl der Sachverständigen sollte daher darauf geachtet werden, dass in erster Linie Sachverständige mit dem gleichen Fachgebiet und aus einer ähnlichen Versorgungsstruktur wie die Beklagten zur Gutachtenerstellung hinzugezogen werden. Summary The preparation of medical reports is one of the tasks and obligations of a doctor. During the studies and the residency knowledge and skills in this area are unstructured and insufficiently imparted so it is the responsibility of the individual doctor to continue training on this topic. This fact raises the question of the quality of the medical liability assessment. In this study 250 medical reports from the 16th Civil Chamber of the Regional Court Saarbruecken from the years 2009 – 2011 were analyzed with regard to formal and plausible structural assessment criteria. This showed that some structural deficiencies occurred which certainly had an impact on the expert evaluation of the treatment errors and thus might also influence judicial decisions. Treatment errors were increasingly affirmed by the experts when the evaluation of medical malpractice was based on the experts own experience rather than objective literature references. This was also the case when no separation was made between the ex ante view – which must be used by the expert to evaluate the doctor's actions at the time of the disputed treatment – and the retrospective ex post view. In the assessment of the causality of the damage very few expert opinions were found to be flawed which in these cases suggests that the expert opinion is of high quality. The main reasons for the deficiencies are assumed to be insufficient training of the experts in the basics of preparing medical reports, but also in the legal context. An improvement in quality could be achieved through structured training courses prescribed by the Medical Association or through standardized guidelines or directives for formal and content-related criteria. Elsewhere, peculiarities were recognizable whose causes are more likely to be found in the selection of the experts by the courts. Situations in which the experts were increasingly inclined to misjudge errors of treatment occurred when the expert's specialty did not coincide with the specialty of the defendant doctor or when the size of the health care structure from which the defendant doctor came did not correspond to the size of the expert's care structure. In particular, experts from larger health care structures such as the university hospitals based their evaluation on the use of equipment and a supportive network that is not easily accessible in other care structures which influences the evaluation of the medical measure to the disadvantage of the defendant doctor. When selecting experts it is recommended that experts with the same area of specialty and from a similar care structure as the defendants are called in to prepare the expert opinion. |
Link zu diesem Datensatz: | urn:nbn:de:bsz:291--ds-344084 hdl:20.500.11880/32006 http://dx.doi.org/10.22028/D291-34408 |
Erstgutachter: | Jäger, Johannes |
Tag der mündlichen Prüfung: | 16-Jul-2021 |
Datum des Eintrags: | 7-Dez-2021 |
Fakultät: | M - Medizinische Fakultät |
Fachrichtung: | M - Zentrum für Allgemeinmedizin |
Professur: | M - Keiner Professur zugeordnet |
Sammlung: | SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes |
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