Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-32691
Titel: Die Krise hat viele Seiten. Die Weltwirtschaftskrise 2008 ff. und der multiperspektivische Roman bei Chirbes, Lanchester und Bossong
VerfasserIn: Nesselhauf, Jonas
HerausgeberIn: Mattern, Nicole
Rouget, Timo
Sprache: Deutsch
Titel: Der große Crash. Wirtschaftskrisen in Literatur und Film
Startseite: 273
Endseite: 290
Seiten: 273–290
Verlag/Plattform: Königshausen & Neumann
Erscheinungsjahr: 2016
Erscheinungsort: Würzburg
DDC-Sachgruppe: 330 Wirtschaft
820 Englische Literatur
830 Deutsche Literatur
860 Spanische und portugiesische Literatur
Dokumenttyp: Buchbeitrag
Abstract: Die 2007/2008 in den USA losgetretene Weltwirtschaftskrise hat schnell Europa erreicht und verschiedene Länder des Kontinents an den Rande des Staatsbankrotts getrieben — keine zehn Jahre nach der Schaffung einer gemeinsamen Währungsunion befindet sich Europa in seiner größten monetären Krise. In der Literatur eignet sich eine Finanzkrise als existenzbedrohende Begleiterscheinung des kapitalistischen Wirtschaftssystems besonders als Hintergrundfolie für eine Untersuchung der aktuellen Gesellschaft: Das Individuum handelt selbstbezogener, die soziale Umgebung wird kälter und egoistischer. Besonders auffällig ist dabei, dass die literarischen Bearbeitungen der aktuellen Wirtschaftskrise eine Rückkehr zum multiperspektivischen Roman erkennen lassen, und das in verschiedenen Nationalliteraturen: Rafael Chirbes' "Crematorio" (2007), John Lanchesters "Capital" (2011), Nora Bossongs "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" (2012) oder Daniel Kehlmanns "F" (2013) stellen Erscheinungsformen und Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise durch verschiedene Blickwinkel und Fokalisierungen nebeneinander — ein umfassender Lagebericht der gegenwärtigen Krisengesellschaft entsteht. Die Rezipierenden nehmen so verschiedene Perspektiven ein, haben dadurch aber auch die Möglichkeit, einzelne Aussagen und Darstellungen zu vergleichen, und ähnlich eines Kriminalfalls oder Gerichtsprozesses, selbst zu Erkenntnissen und Urteilen zu gelangen. Nicht ohne Grund erlebt diese 'konvexe' Form des Erzählens in Romanen um die Weltwirtschaftskrise eine kleine Renaissance und wird zu einem programmatischen Erkenntnismodell der aktuellen Situation Europas: Der multiperspektivische Roman — in der Literaturwissenschaft noch immer eine verhältnismäßig unbeachtete Form — ermöglicht damit in seiner Funktion als literarisches Kaleidoskop in besonderer Weise die Bündelung aktueller gesellschaftlicher Phänomene.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-326917
hdl:20.500.11880/30083
http://dx.doi.org/10.22028/D291-32691
Datum des Eintrags: 24-Nov-2020
Fakultät: P - Philosophische Fakultät
Fachrichtung: P - Kunst- und Kulturwissenschaft
Professur: P - Jun.-Prof. Dr. Jonas Nesselhauf
Sammlung:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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