Please use this identifier to cite or link to this item: doi:10.22028/D291-28441
Title: Mobilität im Alter : Beeinflusst die Arthrose des rechten Kniegelenkes die Fahrtüchtigkeit und ab wann können Patienten nach einer rechtsseitigen Knieprothesenimplantation wieder Auto fahren? - eine prospektive Studie am Fahrsimulator -
Author(s): Bürkle, Franziska Alexandra
Language: German
Year of Publication: 2019
DDC notations: 000 Generalities
Publikation type: Doctoral Thesis
Abstract: Eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit stellt der demographische Wandel dar. Durch die immer besser werdende medizinische Versorgung der Bevölkerung und der damit verbundenen steigenden Lebenserwartung wird laut statistischem Bundesamt im Jahr 2060 jede dritte Person in Deutschland 65 Jahre oder älter sein. Ab dem 60. Lebensjahr leidet etwa die Hälfte der Frauen und ca. ein Drittel der Männer an einer Arthrose, die mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und folglich mit einer verminderten Mobilität einhergehen kann. Der Verlust der Mobilität bedeutet für eine Vielzahl älterer Menschen den Verlust ihrer Unabhängigkeit und deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. Um auch im höheren Alter den Alltag aktiv gestalten zu können, unterziehen sich immer mehr Menschen einem künstlichen Gelenkersatz. Im Jahr 2014 wurden bei rund 149.000 Patienten in Deutschland Knieendoprothesen implantiert. Ziel der hier vorliegenden Arbeit war es zu untersuchen, in welchem Ausmaß die rechtsseitige Gonarthrose die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt und zu welchem Zeitpunkt nach einem endoprothetischen Gelenkersatz eine sichere Wiederteilnahme am Straßenverkehr möglich ist. Im Rahmen einer prospektiven klinischen Studie untersuchten wir die Fahrtüchtigkeit von insgesamt 67 Probanden. 37 Probanden litten an einer klinisch und radiologisch nachgewiesenen rechtsseitigen Gonarthrose (gon; n=37). Gesunde Gleichaltrige dienten als Kontrolle (con; n=30). Das Durchschnittsalter der Arthrosepatienten lag bei 65,91 ± 8,64 Jahren , das der gesunden Probanden bei 58,9 ± 11,02 Jahren . Der Studienaufbau bestand aus einem modifizierten original PKW der Marke Smart (Daimler-AG) und einer Fahrsimulationssoftware (OpenDS), welche eine dreidimensionale Simulationsfahrt auf einer Landstraße ermöglichte. Im Rahmen der einzelnen Fahraufgaben wurden unterschiedliche Reaktionszeiten auf einzelne Bremssituationen (Verlangsamungs- und Vollbremsungsereignis) analysiert. Als Untersuchungsparameter dienten die Reaktionszeit, die der Proband benötigte, um den Fuß vom Gaspedal abzuheben (GasOff), die Zeit, um den Fuß auf das Bremspedal aufzusetzen (Brake0), sowie die Zeit, in der das Bremspedal vom Probanden zu 80% durchgedrückt wurde (Brake80). Die Simulationsfahrten fanden einen Tag vor der Operation (t0; n=37), 6 Wochen (t1; n=16) und 3 Monate postoperativ (t2; n=7) statt. Bei allen Probanden wurden zu den jeweiligen Untersuchungszeitpunkten ein klinischer Untersuchungsbefund sowie der Hospital for Special Surgery Score erhoben. Die Einteilung der präoperativ angefertigten Röntgenbilder erfolgte mittels Kellgren&Lawrence. Die subjektive Einschätzung der Fahrtüchtigkeit wurde mittels EuroQol-VAS erfasst. Die Beurteilung von Schmerzen, Funktion und Zufriedenheit mit dem rechten Kniegelenk im Alltag (VAS-U) und während der Simulationsfahrt (VAS-T) wurde bei jedem Probanden mit Hilfe einer visuellen Analogskala erhoben. Außerdem wurde die subjektive Beanspruchung der Probanden während der Simulationsfahrt mittels Driver Activity Load Index untersucht. Die statistische Auswertung erfolgte mit Hilfe der Analysesoftware SPSS Statistics von IBM. Probanden mit einer rechtsseitigen Gonarthrose brauchten signifikant länger als die gesunde Kontrolle (p<0,05), um das Bremspedal im Rahmen eines Vollbremsungsereignis zu betätigen. Dahingegen konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen bei der Analyse der Bremsreaktionszeiten (BRT) auf ein Verlangsamungsereignis beobachtet werden. Ein Zusammenhang zwischen dem radiologischen Arthrosestadium nach Kellgren&Lawrence und der Bremsreaktionszeiten konnte nicht festgestellt werden. Interessanterweise schätzten die Gonarthrosepatienten ihre Fahrtüchtigkeit zu keinem Zeitpunkt schlechter als die gesunde Kontrollgruppe ein. Es zeigte sich eine marginal signifikante Korrelation zwischen einem ermittelten hohen Hospital for Special Surgery Score der Probanden und einer kürzeren Break80 Bremsreaktionszeit. Bei der Untersuchung der Bremsreaktionszeiten 6 Wochen nach Knieprothesenimplantation (t1) ergab sich kein signifikanter Unterschied mehr in allen drei Messvariablen zwischen der gesunden Kontrollgruppe und den Messwerten der operativ versorgten Patienten. Korrelierend zu diesen Ergebnissen gaben die Probanden zu diesem Zeitpunkt (t1) eine signifikante Besserung ihrer Schmerzen, Funktion und Zufriedenheit an. Bei der Untersuchung der Bremsreaktionszeiten 3 Monate postoperativ (t2) konnten sehr individuelle Verläufe beobachtet werden. Während einige Probanden ihre Reaktionszeiten noch weiter deutlich verkürzen konnten, konnten andere ihre präoperativen Ausgangswerte nicht wieder erreichen. In unserer Studie konnte gezeigt werden, dass Schmerzen und Funktionseinschränkungen auf dem Boden einer Gonarthrose mit einer signifikanten Erhöhung der Bremsreaktionszeiten einhergeht. Der radiologische Schweregrad der Arthrose scheint dabei keinen Einfluss auf die Bremsreaktionszeiten zu haben. Vielmehr lässt sich auf einen Zusammenhang zwischen der Fahrtüchtigkeit und dem Hospital for Special Surgery Score schließen. Eine Knieprothesenimplantation führt auch während des Autofahrens zu einer signifikanten Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung und erhöhten Zufriedenheit. 6 Wochen postoperativ ließen sich Bremsreaktionszeiten auf dem Niveau gesunder Probanden beobachten. Bei teils sehr individuellen Langzeitverläufen sollte eine allgemeine Empfehlung zur aktiven Wiederteilnahme am Straßenverkehr zu diesem Zeitpunkt jedoch nur nach eingehender Beratung und klinischer Untersuchung ausgesprochen werden. Eine Hilfestellung zur Einschätzung der Fahrtüchtigkeit kann dabei der Hospital for Special Surgery Score leisten.
One of the greatest challenges of our time is the demographic change. According to the Federal Statistical Office, every third person in Germany will be 65 years of age or older in 2060 as a result of the ever improving medical care for the population and the associated increase in life expectancy. From the age of 60 about half of women and about one third of men suffer from osteoarthritis, which can be accompanied by pain, movement restriction and consequently reduced mobility. For many older people, the loss of mobility means the loss of their independence and a significant reduction in their quality of life. In order to be able to actively shape everyday life in old age, more and more people are undergoing artificial joint replacement. In 2014, knee endoprostheses were implanted in around 149,000 patients in Germany. The aim of this study was to investigate the extent to which right-sided gonarthrosis impairs the ability to drive and the time at which a safe return to road traffic is possible after an endoprosthetic joint replacement. As part of a prospective clinical study, we investigated the driving ability of a total of 67 volunteers. 37 subjects suffered from a clinically and radiologically proven right-sided gonarthrosis (gon; n=37). Healthy peers served as controls (con; n=30). The average age of osteoarthritis patients was 65.91 ± 8.64 years, that of healthy volunteers 58.9 ± 11.02 years. The study consisted of a modified original Smart car (Daimler AG) and a driving simulation software (OpenDS), which enabled a three-dimensional simulation drive on a country road. Within the scope of the individual driving tasks, different reaction times to individual braking situations (deceleration and emergency braking events) were analysed. The test parameters were the reaction time required by the test person to lift the foot off the accelerator pedal (GasOff), the time to put the foot on the brake pedal (Brake0) and the time in which the test person pressed the brake pedal 80% (Brake80). The simulation runs took place one day before the surgery (t0; n=37), 6 weeks (t1; n=16) and 3 months postoperatively (t2; n=7). The clinical findings and the Hospital for Special Surgery Score were recorded in all volunteers at the respective examination times. The preoperative radiographs were classified using Kellgren&Lawrence. The subjective assessment of driving ability was recorded using EuroQol-VAS. The assessment of pain, function and satisfaction with the right knee joint in everyday life (VAS-U) and during the simulation drive (VAS-T) was carried out on each proband using a visual analogue scale. In addition, the subjective stress of the test persons during the simulation drive was examined using the Driver Activity Load Index. The statistical evaluation was carried out with the help of the analysis software SPSS Statistics from IBM. 6 Patients with right-sided gonarthrosis needed significantly longer than the healthy controls (p<0.05) to apply the brake pedal during an emergency braking event. On the other hand, no significant difference could be observed between the two groups in the analysis of brake response times for a deceleration event. A correlation between the radiological arthrosis stage according to Kellgren&Lawrence and the braking reaction times could not be established. Interestingly, the gonarthrosis patients did not assess their ability to drive worse than the healthy control group at any time. There was a marginally significant correlation between a high Hospital for Special Surgery Score of the probands and a shorter Break80 braking reaction time. When investigating the brake reaction times 6 weeks after knee prosthesis implantation (t1), there was no significant difference in all three measurement variables between the healthy control group and the measured values of the surgically treated patients. Corresponding to these results, the patients reported a significant improvement in pain, function and satisfaction at this time (t1). When investigating the braking reaction times 3 months postoperatively (t2), very individual courses could be observed. While some patients were able to shorten their reaction times even further, others could not reach their preoperative initial values again. In our study it could be shown that pain and functional restrictions on the floor of gonarthrosis are accompanied by a significant increase in braking reaction times. The radiological severity of osteoarthritis does not seem to have any influence on the braking reaction times. Rather, it can be concluded that there is a connection between driving ability and the Hospital for Special Surgery Score. A knee prosthesis implantation also leads to significant pain reduction, functional improvement and increased satisfaction during driving. Brake reaction times at the level of healthy volunteers were observed 6 weeks postoperatively. In the case of partially very individual long-term courses, however, a general recommendation for active re-participation in road traffic at this time should only be made after detailed consultation and clinical examination. The Hospital for Special Surgery Score can provide assistance in assessing driving ability.
Link to this record: urn:nbn:de:bsz:291--ds-284414
hdl:20.500.11880/28009
http://dx.doi.org/10.22028/D291-28441
Advisor: Anagnostakos, Konstantinos
Date of oral examination: 11-Sep-2019
Date of registration: 7-Oct-2019
Faculty: M - Medizinische Fakultät
Department: M - Orthopädie
Professorship: 
Collections:SciDok - Der Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes

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