Please use this identifier to cite or link to this item: doi:10.22028/D291-28223
Title: Teleskop-gestützter Zahnersatz 20-jährige subsequente klinische Beobachtung von Wiederherstellungs – und Neuanfertigungsmaßnahmen
Author(s): Müller-Koelbl, Ingo
Language: German
Year of Publication: 2019
Place of publication: Homburg/Saar
SWD key words: Zahnersatz
DDC notations: 610 Medicine and health
Publikation type: Doctoral Thesis
Abstract: Die vorliegende Studie untersucht die Art und die Häufigkeit klinischer Komplikationen in Behandlungsfällen, die initial mit teleskop-gestütztem Zahnersatz versorgt wurden. Die Fälle wurden über einen Zeitraum von 20 Jahren beobachtet und dokumentiert. Es werden sowohl die technischen wie auch die biologischen Komplikationen der eingesetzten prothetischen Konstruktionen evaluiert. Ferner werden die mit der Konstruktion verbundenen Nachsorgekosten erhoben. Grundlage der Studie sind die Daten von 82 Patienten, die in den Jahren 1980 – 1989 an der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe mit einer Teleskopprothese versorgt wurden und bei denen eine vollständige Dokumentation der Erhaltungstherapie über mindestens 20 Jahre vorlag. Der neue Ansatz dieser Studie ist es, die Patientenschicksale auch nach Eintritt eines Konstruktionsverlustes bzw. Konstruktionswechsels weiter nach zu verfolgen. Die Studie untersucht somit die Bewährung eines prothetischen Konzeptes innerhalb einer zeitlich festgelegten Beobachtungsperiode. Dabei soll insbesondere evaluiert werden, ob die individuell durchgeführte Pfeilerauswahl und die Entscheidung für eine teleskop-gestützte Konstruktion eine Entscheidung war, die dem Patienten langfristig genutzt hat. Um zu untersuchen inwieweit die initiale Befundsituation den Fallverlauf beeinflusst, werden die Patienten entsprechend ihren Ausgangsbefunden in Gruppen unterteilt. Es erfolgt eine Einteilung nach Anzahl der Pfeilerzähne, Vorhandensein von Pfeilerzähnen mit fortgeschrittenem Knochenabbau und Vorhandensein von avitalen Pfeilerzähnen. Für jede dieser Kategorien wird ein Mehrzustandsmodell über den 20-jährigen Beobachtungszeitraum erstellt, das die relative Häufigkeit von Konstruktionswechseln im Beobachtungszeitraum darstellt. Mehrzustandsmodelle eignen sich, um „Mehr-Episoden-Fälle“ zeitbezogen zu analysieren. Die auftretenden Ereignisdaten werden hierbei nicht zur Abbildung individueller Verläufe, sondern zur Beschreibung von Aggregaten in Form kumulierter Verteilungen benutzt. Für jeden Zeitpunkt des Therapieverlaufes wird dabei die Verteilung der Untersuchungseinheiten auf die vorgegebene Zahl von Zuständen berechnet und kumuliert. Durch Verbindung dieser Punkte entsteht ein Bild über die zeitliche Verteilung der eingesetzten prothetischen Versorgungen im Beobachtungszeitraum. Diese Methodik erlaubt neben der Darstellung von Konstruktionserneuerungen auch einen Einblick in den Erhaltungsaufwand, der für das untersuchte Kollektiv anfällt. Im Beobachtungszeitraum von 20 Jahren wurden insgesamt 2125 technische und biologische Komplikationen unterschiedlicher Art dokumentiert. Mit 64% überwiegen dabei die technischen Komplikationen (biologische Komplikationen 36%). Die Rezementierung stellte insgesamt den größten Anteil (22%) der technischen Komplikationen (Druckstellenentfernung 20%; Unterfütterung 20%; Verblendungsreparatur 16%). Generell war die Anzahl der Kunststoffreparaturen höher (Unterfütterung, Verblendungsreparatur, Erweiterung der Prothese Kunststoffbasisreparatur, Zahnneubefestigung und Zahnneuaufstellung) als die der Wiederherstellungsmaßnahmen an Metallanteilen der Prothese (Metallbasisreparaturen, Friktionserhöhung, Neuanfertigung der Primärkrone, Reparatur des Gerüstes). Bei 57 von 82 Patienten (70%) wurde während des Beobachtungszeitraumes eine Parodontalbehandlung an mindestens einem Pfeilerzahn durchgeführt (Anteil 37%). Zweithäufigste biologische Komplikation war mit 28% die Extraktion eines Pfeilerzahnes. Bei 13 von 82 Patienten (16%) erfolgte keine Extraktion. Bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes wurden insgesamt 212 der 288 initial als Teleskoppfeiler gewählten Zähne extrahiert (73,6%). Von den in den Erstkonstruktionen einbezogenen Zähnen wurden bis zum Verlust der Erstkonstruktion insgesamt 140 extrahiert. Dies entspricht 48,6% aller Pfeilerzähne. (Wurzelkanalbehandlung 18%; Stiftanfertigung 15% Stiftneuanfertigung 2%). Das Intervall bis zum Austausch von 50% der ursprünglich eingegliederten teleskopgestützten Konstruktionen lag bei 14,29 Jahren. Nach 10 Jahren waren noch 63% der Erstkonstruktionen vorhanden und es waren insgesamt noch 89% der Patienten mit dem „System Teleskopprothese“ versorgt. Nach 20 Jahren waren von den ursprünglich 82 eingegliederten Teleskopprothesen insgesamt noch 19 Teleskopprothesen (23,2%) in situ. 49% der Patienten bedurften innerhalb des Beobachtungszeitraumes einer Revision der ursprünglichen Konstruktion, wurden aber wiederum mit einer Teleskopkonstruktion versorgt. Das „System Teleskopprothese“ blieb somit bei 59 von 82 Patienten (72%) über 20 Jahre in Anwendung. Im Beobachtungszeitraum wurden 91 Revisionsbehandlungen dokumentiert. Darunter waren 63 Teleskopprothesen. Ferner wurden 24 Totalprothesen eingesetzt. Lediglich in 4 Fällen fanden festsitzende, implantatgetragene Konstruktionen im Rahmen der Revisionstherapie Anwendung. Pro Patient ergaben sich über den Beobachtungszeitraum von 20 Jahren im Mittel Gesamtkosten von 1.936,49€ für die Anpassung bzw. Wiederherstellung von Konstruktionen, darunter 1.330,12€ für die Behebung technischer Komplikationen (69%) sowie 606,37€ für Behandlungsmaßnahmen, die in Folge von biologischen Komplikationen auftraten (31%). Die Kostenkalkulation der Wiederherstellungsmaßnahmen und der Behandlung von Pfeilerzähnen über 20 Jahre zeigt, dass trotz zahlreicher Revisionen das „System Teleskopprothese“ im Vergleich zu festsitzendem, implantatgetragenem Zahnersatz deutlich kostengünstiger ist. Klinische Parameter, die in der untersuchten Studienpopulation Einfluss auf den Zustand der Versorgung 20 Jahre nach initialer Therapie nehmen und somit auch Auswirkungen auf die Folgekosten haben, sind zum einen die Pfeileranzahl in der Ausgangskonstruktion, zum anderen der Knochenabbau der Pfeilerzähne zum Zeitpunkt der Eingliederung. Für den Parameter „Vitalität der Pfeilerzähne zum Zeitpunkt der Eingliederung“ konnte ein entsprechender Einfluss nicht nachgewiesen werden. Das „System Teleskopprothese“ hat Schwächen. Die Erfolgsaussichten sind begrenzt. Nur ca. jede 4. Erstkonstruktion bleibt über 20 Jahre in situ. Das „System Teleskopprothese“ kann aber bei Berücksichtigung der hier als relevant identifizierten Parameter beachtliche Langzeiterfolge aufweisen und einen Patient über einen längeren Lebensabschnitt effizient und mit vertretbar erscheinenden Kosten versorgen. 72% der untersuchten Patienten waren über 20 Jahre mit dem „System Teleskopprothese“ versorgt. Das Studiendesign der vorliegenden Studie erzielt durch die Langzeitbetrachtung der “Konstruktionsverläufe“, d.h. durch die Beobachtung der sich verändernden oralen Situation ohne Begrenzung auf eine spezifische prothetische Versorgungsform Ergebnisse, die eine langfristige und nachhaltige Therapieentscheidung unterstützen. Ein Fallverlauf lässt sich nicht voraussagen. Der Patient darf aber eine Aussage zur Nachhaltigkeit der in seinem Fall verfügbaren Versorgungsoptionen erwarten. Die hier vorgestellten Ergebnisse bieten einen Ansatz, Aufklärungsroutinen weiter zu optimieren und dem Patienten eine realistische Vorstellung über den zu erwartenden Verlauf seiner prothetischen Betreuung und Behandlung zu ermöglichen.
The present study investigated the type and frequency of clinical complications in cases that had initially been treated with telescopic dentures. These cases were observed and documented over a period of 20 years. Both the technical and the biological complications of the inserted prosthetic restoration were evaluated. Moreover, the costs of the follow-up care connected with the restoration were calculated. The study is based on the data of 82 patients who were treated with a telescopic denture at the Dental Academy for Continuing Professional Development, Karlsruhe, Germany, in the period from 1980 to 1989 and whose follow-up therapy was completely documented over at least 20 years. The new approach of the present study consists in following up the patients also after the loss and/or replacement of the prosthetic restoration. Thus, the study investigated the reliability of a prosthetic concept within a defined period of observation. In particular, it was to be evaluated if the individual selection of abutment teeth and the decision in favor of a telescopic denture were to the long-term benefit of the patient. In order to find out to what extent the initial findings had an influence on the development of the case, the patients were subdivided in groups according to their initial findings. The subdivision was based on the number of abutment teeth, presence of abutment teeth with advanced bone loss and presence of nonvital abutment teeth. For each of these categories a multistate model was drawn up over the observation period of 20 years that presents the relative frequency of denture replacements in the period of observation. Multistate models can be used for a time-related analysis of "multi-episode cases". The episode data arising are not used for the presentation of individual case developments, but rather for the description of aggregates in the form of cumulated distributions. For each point in time in the course of treatment the distribution of treatment units to the fixed number of states is calculated and cumulated. The connection of these points will provide a picture of the distribution over time of the prosthetic restorations used in the observation period. Besides presenting the number of denture renewals, this methodology will also give an insight into the follow- up costs of the cohort studied. In the observation period of 20 years, a total of 2125 technical and biological complications of various types were documented. The majority of them were technical complications (64%), the biological complications amounted to 36%. Recementation accounted for the biggest share (22%) of the technical complications (treatment of pressure sores 20%; denture lining 20%; repair of veneer 16%). In general, the number of composite repairs was higher (lining, veneer repair, denture extension, repair of composite denture base, reattachment and realignment of teeth) than the number of repairs of metal denture components (metal base repairs, increasing friction, fabrication of a new primary crown, framework repair). 57 of the 82 patients (70%) required periodontal treatment of at least one abutment tooth (37%) during the observation period. The second most frequent biological complication was the extraction of an abutment tooth (28%). No extraction was performed in 13 (16%) of the 82 patients. Until the end of the observation period, a total of 212 (73.6%) of the initially 288 teeth selected as telescopic abutments were extracted. Of the teeth included in the original restorations a total of 140 teeth were extracted until the original structure failed. This corresponds to 48.6% of all abutment teeth (root canal treatment 18%; post fabrication 15%, new post fabrication 2%). The time period until the replacement of 50% of the initially inserted telescope-supported dentures was 14.29 years. After 10 years 63% of the original dentures were still in place and a total of 89% of the patients still had restorations based on the "telescopic denture system". After 20 years, a total of 19 (23.2%) of the 82 initially inserted telescopic dentures were still in place. 49% of the patients required the revision of the original structure within the observation period and were again treated with a telescopic denture. Thus, the "telescopic denture system" remained in 59 of 82 patients (72%) over a period of 20 years. In the period of observation, 91 revision treatments were documented, among them 63 telescopic dentures. Moreover, 24 complete dentures were inserted. Only in 4 cases were fixed implant-supported restorations inserted within the scope of revision therapy. Over the observation period of 20 years the total costs per patient amounted to € 1,936.49 on average for the adaptation and/or repair of dentures of which € 1,330.12 were spent on the repair of technical complications (69%) and € 606.37 on treatment measures that were required as a result of biological complications (31%). The cost calculation of repair measures and treatment of abutment teeth over a period of 20 years shows that, despite numerous revisions, the "telescopic denture system" clearly is more advantageous as far as costs are concerned than fixed implant-supported restorations. The clinical parameters having an influence on the condition of the denture 20 years after initial therapy and therefore also on the follow-up costs in the study population investigated are, first, the number of abutment teeth in the original structure and, secondly, the degree of bone loss of the abutment teeth at the time of insertion. For the parameter of "vitality of abutment teeth at the time of insertion" no such influence could be demonstrated. The "telescopic denture system" has its weaknesses. The chances of success are limited. Only about one in every 4 initial restorations will remain in situ over a period of 20 years. The "telescopic denture system", however, can prove considerable long-term success based on the parameters identified as relevant in the present study and can serve a patient over a prolonged period of life efficiently and at costs that appear to be reasonable. 72% of the patients in the study had restorations of the "telescopic denture system" for a period of 20 years. On the basis of the long-term review of the "denture history", i.e. the observation of the changes in the oral situation without limitation to a specific type of prosthetic restoration, the design of the present study produces results that support a long-term and sustainable therapeutic decision. No prediction can be made about the development of a particular case, but the patient may expect a statement on the sustainability of the restorative options available in his/her individual case. The results presented here offer an approach to the further optimization of routines of gaining new insights and may give the patient a realistic idea about the development of his/her prosthetic care and treatment to be expected.
Link to this record: urn:nbn:de:bsz:291--ds-282239
hdl:20.500.11880/27478
http://dx.doi.org/10.22028/D291-28223
Advisor: Walther, Winfried
Date of oral examination: 9-Apr-2019
Date of registration: 8-Jul-2019
Faculty: M - Medizinische Fakultät
Department: M - Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
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