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Titel: Stigmatisierung von Menschen mit chronischen Infektionserkrankungen am Beispiel von Lepra und AIDS
Verfasser: Steffen, Maximilian
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2016
Erscheinungsort: Homburg/Saar
SWD-Schlagwörter: Aids
Lepra
Stigmatisierung
DDC-Sachgruppe: 610 Medizin, Gesundheit
Dokumentart : Dissertation
Kurzfassung: In dieser Arbeit vergleiche ich die Stigmatisierung von AIDS-Erkrankten mit der Reaktion der Gesellschaft auf die Leprakranken im Mittelalter. Obwohl Lepra seit der frühen Neuzeit in Deutschland nahezu ausgestorben ist, gilt sie auch heute noch als Inbegriff einer mit einem Stigma behafteten Krankheit. Es stellt sich da-her die Frage, ob ein Vergleich der gesellschaftlichen Reaktion auf diese beiden Krankheiten Gemeinsamkeiten aufzeigen. Dient die Stigmatisierung der Kranken als Mittel, um die Gesellschaft vor einer Bedrohung durch Infektionskrankheiten zu schützen? Wie sieht diese Stigmatisierung aus und welche Folgen hat die Stigmatisierung für die Kranken und die Gesellschaft? Bei der Untersuchung von Stigmatisierung von Leprakranken stütze ich mich vorwiegend auf die Analyse von Primär- und Sekundärliteratur, bei AIDS zusätz-lich noch auf Umfrageergebnisse über Stigmatisierungserfahrungen von HIV-Positiven der Initiative ‚positive stimmen„. In den Stigmatisierungstheorien der Forschung wird Stigmatisierung als gesell-schaftlicher Prozess gesehen, in dem den Betroffenen zuerst ein negativ definier-tes Attribut zugeschrieben wird, das diese von den gesellschaftlichen Normen als abweichend kennzeichnen und herabstufen. Diese Etikettierung oder ‚Labeling„, führt zur Stereotypisierung, Ausgrenzung, Status-Verlust und schließlich zur Dis-kriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe. Sowohl bei Lepra im Mittelalter als auch AIDS zeigt sich, dass die Gesellschaft auf die Erkrankten mit Stigmatisierung und Ausgrenzung reagiert. Diese Aus-grenzung ist umso stärker, solange Ursachen, Übertragungswege und Therapie-möglichkeiten nicht geklärt sind und dadurch auch keine sachliche Risikoein-schätzung über die Ansteckungsgefahr möglich ist. Ein weiterer gemeinsamer Aspekt ist die Schuldzuweisung. Beide Krankheiten gelten als selbstverschuldet, da die Erkrankten von den geltenden gesellschaftli-chen Normen abgewichen sind. Im religiös geprägten Mittelalter sah man die Ur-sache der Erkrankung in einer schweren sündhaften Verfehlung, die Behandlung richtete sich daher in erster Linie auf die Läuterung der Seele. Bei den HIV-Infizierten besteht das abweichende Verhalten in der Verletzung der moralischen Normen. AIDS wird als selbstverschuldete Lust- oder Schwulenseuche stigmati-siert, ausgenommen werden Infektionen aufgrund von Bluttransfusionen oder perinataler Übertragung. Diese Stigmatisierung und Ausgrenzung ist umso leich-ter in der Gesellschaft durchsetzbar, da die Hauptbetroffenen ohnehin schon ge-sellschaftlichen Randgruppen zuzuordnen sind. Parallel zu den zunehmenden Erkenntnissen über die HIV-Infektion und ihre Therapierbarkeit ist ein Umdenken der Gesellschaft in der Bewertung der Homo-sexualität zu beobachten, das zumindest für die Homosexuellen in Deutschland zu einem Rückgang der Stigmatisierung führt. Hier zeigen sich aber auch die Schwierigkeiten dieser Arbeit. AIDS und die damit verbundene Stigmatisierung betrifft vorwiegend gesellschaftliche Randgruppen, wie Homosexuelle, Sexarbeiter/innen und i.v.-Drogengebraucher/innen, die auch ohne HIV-Infektion schon stark stigmatisiert sind. Eine eindeutige Abgrenzung zwischen Stigmatisierung der sehr heterogenen Randgruppen und Stigmatisierung aufgrund einer HIV-Infektion ist daher nicht immer möglich. Stigmatisierung und Ausgrenzung bei neu auftretenden Infektionskrankheiten kann anfangs als ein Mittel des Selbstschutzes der Gesellschaft angesehen wer-den. Abgesehen von dem Leid für den Betroffenen hat die Stigmatisierung aber auch für die Gesellschaft negative Folgen, unter anderem in der Seuchenpräventi-on. Aus Angst vor Stigmatisierung vermeiden auch heute noch viele HIV-Positive notwendige medizinische Behandlungen, da sie auch im medizinischen Bereich negative Erfahrungen gemacht haben.
Stigmatisation of People with Chronic Infectious Diseases by Us-ing Leprosy and AIDS as Examples Abstract: In this work I compare the stigmatisation of people living with AIDS and the reac-tion of the society towards lepers during the medieval ages. Although leprosy has been almost extinct since the early modern age, it is the paragon of stigma riddled disease. This raises the question whether a comparison of society‟s response to both diseases shows similarities. Does the stigmatisation serve the diseased as a way to defend the society from the threat of infections? In what way are people stigmatized and what are the consequences for the affected people and the socie-ty? During the examination of stigmatism of the leprous I mainly base my findings on the analysis of primary and secondary sources and concerning AIDS I additionally analysed data from poll results about experiences with HIV positive people of an initiative called “positive stimmen”. In the scientific theories of stigmatisation it is seen as a process of society, where affected individuals at first are given a negative attribute which marks them as different from social standards and degrades them. This labelling leads to stereo-types, exclusion, loss of status and finally to a discrimination of a social group. Regarding leprosy in medieval ages as well as AIDS there is a social response towards the sick with stigmatisation and exclusion. This effect gets stronger as long as the cause, the transmission path and therapeutical options are not known and the risk stratification is biased. Another aspect is the assignment of guilt. Both illnesses are seen as self-imposed, since the infected differed from prevailing social standards. In the religious mid-dle ages the cause of the Infection was a major sin, the treatment was predomi-nantly the catharsis of one‟s soul. Concerning people living with AIDS the differing behaviour lies in the infringe-ment of moral standards. AIDS is often stigmatized as a “lust-“ or “gay-plague” and thus those affected are to blame themselves except if caused by infections through blood transfusions or perinatal. This stigmatisation process is easily ap-plied by the society, since the people it is applied towards are often already mem-bers of a minority. But with rising insights about the HIV infection and the growing possibilities of treatment there is a change of mind in today‟s society so at least in Germany it seems that there is a decrease of stigmatisation of homosexuals. On the downside, this shows the difficulties to complete the task answering all the questions above, since AIDS and the related stigmatisation concerns mainly social minorities, like homosexuals, sex workers and individuals with intravenous drug abuse that are already heavily stigmatised even when not affected by AIDS. Therefore a sharp differentiation of stigmatisation between healthy and people living with AIDS is not always possible. Stigmatisation and exclusion can be viewed as a coping or defence mechanism of our society with new infectious diseases, at least in the early stages. Despite the pain and suffering of those affected stigmatisation has negative effects on the so-ciety itself, especially concerning the prevention of spreading the plaque. People that fear stigmatisation avoid medical consultation even today because of negative experiences they have suffered before.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291--ds-276939
hdl:20.500.11880/27332
http://dx.doi.org/10.22028/D291-27693
Erstgutachter: Henn, Wolfram
Tag der mündlichen Prüfung: 26-Apr-2017
SciDok-Publikation: 23-Jan-2019
Fakultät: M - Medizinische Fakultät
Fachrichtung: M - Humangenetik
Fakultät / Institution:SciDok - Elektronische Dokumente der UdS

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