Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-27612
Titel: Evaluation eines Inventars zur Erfassung individueller Frühwarnzeichen und Vergleich der Warnsignale von schizophren und schizoaffektiv Erkrankten
Verfasser: Wiegmann, Philipp
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2017
Erscheinungsort: Homburg/Saar
SWD-Schlagwörter: Warnzeichen
Warnsignal
Schizophrenie
DDC-Sachgruppe: 610 Medizin, Gesundheit
Dokumentart : Dissertation
Kurzfassung: Die vorliegende Arbeit legt den Fokus auf die Evaluation des von Behrendt, Trabert, Wobrock und Sittinger (Behrendt, 2001a) entwickelten Warnsignalinventars (WSI) und den Vergleich der unspezifischen Frühwarnzeichen psychotischer Exazerbationen zwischen schizophren und schizoaffektiv Erkrankten. Das WSI ist ein Selbstbeurteilungsinstrument, welches retrospektiv unspezifische Frühwarnzeichen erfasst, die ein Patient im Vorfeld einer Exazerbation erlebt. Es setzt sich aus 5 Skalen (A: Verhalten, B: Körper, C: Gedanken, D: Gefühle, E: Arbeit/Haushalt) zusammen, welche anhand von insgesamt 136 Items gebildet werden. Die individuell relevanten Warnsignale werden den Patienten nach Auswertung der Antwortstruktur in Form einer Checkliste zur Rezidiv-Prophylaxe zur Verfügung gestellt. Es wurden insgesamt 284 Patienten, die zwischen 1997 und 2012 an der psychoedukativen Warnsignalgruppe „Meine Persönlichen Warnsignale“ (Behrendt, 2001) teilnahmen in die Untersuchung eingeschlossen, davon 227 mit schizophrener und 57 mit schizoaffektiver Erkrankung. Das Instrument wurde zunächst auf seine Konstruktvalidität hin überprüft. Anschließend wurde der Frage nachgegangen, inwiefern sich die Hypothese der hohen Individualität der Warnsignalmuster anhand der erhobenen Daten statistisch belegen ließ (anhand der Analyse der Variationskoeffizienten der Wochenangaben und der Häufigkeiten der einzelnen Warnsignale). Folgend wurden die beiden Patientengruppen (schizophren vs. schizoaffektiv Erkrankte) bezüglich ihrer Warnsignale verglichen. Hierbei wurde sowohl die Häufigkeit, mit der die einzelnen Warnsignale auftraten, als auch der Zeitpunkt, zu dem diese von den Patienten berichtet wurden, berücksichtigt. Ebenfalls wurden die Patientengruppen darin verglichen, inwiefern geschlechtsspezifische Unterschiede bestanden und ob sich Patienten mit Erstmanifestationen von Patienten mit Rezidiven in ihren Warnsignalen unterschieden. Abschließend wurden die vorliegenden Befunde in die bestehende Literatur eingebettet, Implikationen der Ergebnisse diskutiert und Möglichkeiten der Optimierung der frühzeitigen Erkennung von Exazerbationen aufgezeigt. Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse zeichnete sich das WSI durch eine hohe Konstruktvalidität aus. Zudem waren die Warnsignale sowohl in der Gruppe der schizophren als auch in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten durch hohe interindividuelle Varianz gekennzeichnet. Dies drückte sich zum einen in den berechneten Variationskoeffizienten aus, die in beiden Patientengruppen bei über 50% der Items einen Wert größer 1 aufwiesen. Zum anderen spiegelte sich die hohe interindividuelle Varianz der Antwortmuster auf statistischer Ebene in den Häufigkeiten wieder, mit denen die einzelnen Items von den Patienten angegeben wurden. So wurden in der Gruppe der schizophren Erkrankten 103 der 136 Items (76%) und in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten 81 der 136 Items (60%) von weniger als 50% der Patienten als vorhanden angegeben. Demnach besaß die Mehrheit der Warnsignale nur für weniger als die Hälfte der Patienten Relevanz. Dies kann als statistischer Beleg für die Sinnhaftigkeit der Konstruktion eines individuellen Beobachtungsbogens interpretiert werden. Im Vergleich der Warnsignale zwischen den Patientengruppen zeigten sich insgesamt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Das am häufigsten genannte Item war in beiden Gruppen identisch (Item A1: „Man sagt mir, dass ich anders bin als sonst“): es wurde in der Gruppe der schizophren Erkrankten von 83,3%, und in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten von 94,7% der Patienten angegeben, was die hohe Bedeutung des sozialen Umfeldes bei der Früherkennung von Exazerbationen beider Störungsbilder verdeutlicht. Bezüglich der Wochenangaben, zu denen die Warnsignale in Abstand zum Ankerpunkt (der in den meisten Fällen die Klinikaufnahme darstellte) angegeben wurden, zeigte sich insgesamt kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen (z = -.805, p = .421). Die Untersuchung der Gesamtanzahl der für die Rezidivprophylaxe besonders bedeutsamen sehr frühen Warnsignale (>12 Wochen vor Ankerpunkt) zeigte ebenfalls keinen signifikanten Gruppenunterschied (z = -.341, p = .733). Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den Gruppen stellte dar, dass Skala E („Arbeit/Haushalt“) in beiden Gruppen den höchsten und Skala C („Gedanken“) den niedrigsten Median der Wochenangaben aufwies. Die anderen drei Skalen lagen mit ihren Medianen diesbezüglich in beiden Patientengruppen im Mittelfeld, dicht beieinander. So ließ sich in beiden Störungsbildern ein Verlaufsmuster feststellen, mit den frühesten Veränderungen auf Skala E, darauf folgend Veränderungen auf den in ihren Medianen dicht beieinander liegenden Skalen A,B und D und zuletzt Veränderungen auf Skala C. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Werte sehr breit streuten und somit von diesem übergeordneten Verlaufsmuster nicht auf den Einzelfall extrapoliert werden kann. Neben den vielen Gemeinsamkeiten zwischen den Patientengruppen zeigten sich auch Unterschiede. So gaben schizoaffektiv Erkrankte im Mittel insgesamt mehr Warnsignale an, als schizophren Erkrankte (z = -2,241, p = .025). Darüber hinaus zeigte sich, dass Patienten mit Erstmanifestation in der Gruppe der schizophren Erkrankten mehr sehr frühe Warnsignale angaben (z = -1,977, p = .048) als mehrfach Erkrankte, wohingegen sich diesbezüglich in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten lediglich ein Trend in die gleiche Richtung abzeichnete (z = -1,763, p = .078). Ein weiterer Unterschied zwischen den Gruppen fand sich bezüglich der geschlechtsspezifischen Unterschiede auf der Dimension der gemittelten Wochenangaben: in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten waren diese bei den Frauen höher als bei den Männern (z = -2.131, p = .033) wohingegen hier bei den schizophren Erkrankten kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern bestand (z = -.409, p = .683). Bezüglich der Anzahl der Warnsignale im Gesamtinstrument gab es hingegen weder in der Gruppe der schizophren (z = -1,517, p = .129) noch in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten (z = -1-253, p = .210) einen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Durch die Ergebnisse wird die Frage über die Stellung der Krankheitskonstrukte der Schizophrenie und der schizoaffektiven Erkrankung zueinander um die Ebene der Frühwarnzeichen erweitert. Die Tatsache, dass sich insgesamt deutlich mehrGemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen den Gruppen finden ließen scheint durch die Nähe der Krankheitskonstrukte zueinander begründet und könnte als Bekräftigung der Hypothese herangezogen werden, dass es sich bei der schizoaffektiven Erkrankung um ein Mischbild aus schizophrenen und affektiven Syndromanteilen handelt. Die größere Anzahl genannter Warnsignale in der Gruppe der schizoaffektiv Erkrankten wäre zum einen mit der größeren Krankheitseinsicht in dieser Gruppe (Todman, 2008; Pini et al., 2001) erklärbar, welche mit einer erhöhten Wahrnehmung von Frühwarnzeichen einhergehen könnte. Zum anderen wäre der Befund darauf zurückführbar, dass schizoaffektiv Erkrankte ein breiteres Spektrum an Symptomen und eine stärkere Fluktuation in den Syndromen ihrer Erkrankung (Marneros, 2010) aufweisen, was mit einer größeren Bandbreite an Frühwarnzeichen einhergehen könnte.
The „Warnsignalinventar“ (warning symptom inventory), developed by Behrendt, Trabert, Wobrock und Sittinger (Behrendt, 2001a), is a tool for the retrospective assessment of early warning signs that precede schizophrenic and schizoaffective Psychosis. In a first step the present study deals with the question of construct validity, concerning the inventory. In a second step the warning signs of patients with schizoaffective and schizophrenic disorders are being compared. Finally implications of the findings for diagnostic and therapy of the investigated disorders are being discussed and an outlook on possible optimization of the early recognition of warning symptoms is being made.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-ds-276129
hdl:20.500.11880/27273
http://dx.doi.org/10.22028/D291-27612
Erstgutachter: Riemenschneider, Matthias
Tag der mündlichen Prüfung: 6-Dez-2017
SciDok-Publikation: 3-Jan-2019
Fakultät: M - Medizinische Fakultät
Fachrichtung: M - Neurologie und Psychiatrie
Fakultät / Institution:SciDok - Elektronische Dokumente der UdS

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