Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-27274
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Titel: The perseverance of adverse experimental effects after post-experimental debriefings and interventions
Verfasser: Miketta, Stefanie Manuela
Sprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2018
SWD-Schlagwörter: Persistenz
Debriefing
Freie Schlagwörter: threat manipulation
DDC-Sachgruppe: 000 Allgemeines, Wissenschaft
150 Psychologie
500 Naturwissenschaften
Dokumentart : Dissertation
Kurzfassung: Psychologists often use highly impactful experimental manipulations that are designed to temporarily reduce participants' well-being, e.g., by threatening their self-worth. These manipulations can be crucial for experimentally answering certain research questions. At the same time, researchers have long been concerned about participants’ well-being after those manipulations. Official ethical guidelines of several psychological societies even emphasize that investigators are obliged to protect participants from harm. To solve the dilemma of using harmful manipulations while not wanting to harm participants, researchers usually provide a debriefing at the end of each experiment to eliminate detrimental effects of the manipulation. Little is known, however, about the effectiveness of post-experimental debriefings despite the fact that modern psychological research widely relies on it. Findings from a different line of research suggest that experimentally induced beliefs can persevere even after the underlying information is discredited. Given that perseverance of already discredited beliefs is possible, the question arises whether adverse effects caused by experimental manipulations can also persevere – even if post-experimental debriefings seek to undo them. This question seems particularly warranted since the majority of debriefings simply retract false information provided earlier. The discrepancy between the field’s trust in the effectiveness of debriefings on the one hand and the scarcity of empirical evidence for this assumption on the other hand calls for thorough research addressing the question of potential perseverance of adverse experimental effects. The present thesis investigates this question. Part I examines the effectiveness of post-experimental debriefings and interventions in eliminating the adverse effects of well-established ego threat manipulations on psychological well-being and hostile attributions. As expected, participants who received negative feedback compared to positive or no feedback reported lower well-being and showed more hostile attributions. Our results suggest that debriefing procedures failed to undo the harm caused by ego threat manipulations. Instead, participants left the laboratory with unwanted aftereffects that persisted for one day and longer. An internal meta-analysis confirmed these findings. Part II focuses on a different, equally well-established manipulation: experimentally induced ostracism, which is known for affecting various indicators of well-being in a negative way. After having been excluded as opposed to included by ostensible other participants in a virtual ball-tossing game, participants reported decreased positive and increased negative mood. A Revised Outcome Debriefing, the allegedly most effective kind of post-experimental debriefing, did not change this pattern. A follow-up assessment of undesirable aftereffects of the manipulation revealed perseverance of those effects for several hours after the end of the experimental session. Part III employed the trauma film paradigm, a frequently used procedure in experimental trauma research. In this deception-free paradigm, participants are being shown highly aversive film clips in order to induce symptoms of a posttraumatic stress disorder. Participants’ levels of both clinically relevant posttraumatic stress and subclinical well-being were examined over the course of three weeks after a trauma film manipulation and a subsequent debriefing procedure. While participants’ level of posttraumatic stress strongly decreased over the course of three weeks, it was not fully eliminated 20 days after the manipulation. Additionally, participants still reported study-related aftereffects of the trauma film manipulation three weeks after having received a debriefing. In sum, the present thesis challenges the generally assumed effectiveness of post-experimental debriefings and interventions in undoing the detrimental effects caused by experimental manipulations – and thereby in meeting psychological societies’ guidelines to avoid any harm caused by participation in research studies. These results have implications for psychological researchers – given the field’s ubiquitous reliance on the (alleged) effectiveness of debriefings – and raise general questions about research ethics.
Psychologen verwenden häufig besonders wirkungsvolle experimentelle Manipulationen, welche entwickelt wurden, um vorrübergehend das Wohlbefinden der Versuchsteilnehmer zu senken, z. B. durch Bedrohen ihres Selbstwertgefühls (ego threat). Diese Manipulationen sind oft unverzichtbar zur experimentellen Beantwortung bestimmter Forschungsfragen. Gleichzeitig zeigen sich Forscher schon seit langem besorgt über das Wohlbefinden von Versuchspersonen nach der Teilnahme an Studien, die solche Manipulationen beinhalten. Die offiziellen ethischen Richtlinien verschiedener psychologischer Gesellschaften weisen Forscher sogar explizit an, Versuchsteilnehmer vor Schaden zu schützen. Um das Dilemma zwischen der Nutzung potenziell schädlicher Manipulationen einerseits und dem Bestreben, Versuchspersonen keinen Schaden zuzufügen, andererseits zu lösen, verwenden Forscher nach dem Ende eines Experiments üblicherweise ein so genanntes Debriefing um negative Effekte der Manipulation zu eliminieren. Trotz der Tatsache, dass sich moderne psychologische Forschung stark auf die Effektivität solcher Debriefings verlässt, ist bis heute ungeklärt, ob Debriefings überhaupt tatsächlich effektiv wirken. Forschungsergebnisse aus anderen Gebieten legen nahe, dass experimentell induzierte Annahmen sogar dann noch bestehen bleiben, wenn die zugrundeliegende Information widerrufen wurde. Angesichts dieser möglichen Perseveranz widerrufener Informationen stellt sich die Frage, ob auch die durch eine experimentelle Manipulation ausgelösten negativen Effekte, welche durch das Debriefing aufgehoben werden sollen, weiter anhalten können. Da die Mehrzahl experimental-psychologischer Debriefings daraus besteht, früher gegebene Falschinformation zu widerrufen, scheint diese Frage besonders naheliegend. Die Diskrepanz zwischen dem Vertrauen der Forschungsgemeinde in die Effektivität von Debriefings zur Wiederherstellung des Wohlbefindens der Versuchsteilnehmer auf der einen und dem Mangel an empirischer Evidenz für diese Annahme auf der anderen Seite wirft dringliche Fragen über die mögliche Perseveranz schädlicher Effekte experimenteller Manipulationen auf. Die vorliegende Dissertation widmet sich diesen Fragen. Teil I untersucht, inwiefern post-experimentelle Debriefings und andere Interventionen die negativen Effekte bekannter und weitverbreiteter Ego-Threat-Manipulationen in Bezug auf Wohlbefinden und feindselige Attributionen (hostile attributions) der Versuchsteilnehmer eliminieren können. Erwartungsgemäß berichteten die Studienteilnehmer, die negatives Feedback erhalten hatten, von geringerem Wohlbefinden und zeigten mehr feindselige Attribution als jene, die positives Feedback bekommen hatten. Unsere Resultate legen nahe, dass die verwendeten Debriefings an der Aufhebung der schädlichen Effekte der Ego-Threat-Manipulationen scheiterten. Stattdessen verließen die Studienteilnehmer das Labor mit ungewollten Nachwirkungen, die noch mindestens einen Tag andauerten. Eine interne Meta-Analyse bestätigt diese Ergebnisse. Teil II der Dissertation richtet den Schwerpunkt auf eine andere, ebenfalls weitverbreitete Manipulation: experimentell induzierte soziale Zurückweisung (ostracism), eine Manipulation welche bekannt dafür ist, verschiedene Indikatoren psychologischen Wohlbefindens negativ zu beeinflussen. Versuchspersonen, die von angeblichen anderen Teilnehmern bei einem virtuellen Ballspiel ausgeschlossen wurden, berichteten über verringerten positiven und erhöhten negativen Affekt im Vergleich zu Versuchspersonen, die im Spiel integriert wurden. Die Verwendung des angeblich wirksamsten Debriefings, das Revised Outcome Debriefing, konnte diesen Effekt nicht signifikant reduzieren. Eine spätere Befragung der Studienteilnehmer zeigt eine Perseveranz der negativen Nachwirkungen des Experiments auch mehrere Stunden nachdem die Teilnehmer das Labor verlassen hatten. Teil III untersucht die Verwendung sogenannter Traumafilme, die häufig in der experimentellen Traumaforschung eingesetzt werden. In diesem Paradigma, welches im Gegensatz zu den beiden vorherigen keine Täuschung der Versuchspersonen benötigt, wurden den Versuchspersonen stark aversive Filmausschnitte gezeigt, mit dem Ziel, Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung zu induzieren. Nach der Traumafilm-Manipulation und dem anschließenden Debriefing wurden im Laufe von drei Wochen sowohl klinisch relevante Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung als auch subklinisches Wohlbefinden der Versuchsteilnehmer untersucht. Obwohl die posttraumatischen Stresssymptome der Teilnehmer im Verlauf dieser drei Wochen stark abnahmen, waren sie auch zwanzig Tage nach dem Ende der Manipulation noch nicht vollständig eliminiert. Die Studienteilnehmer berichteten zusätzlich auch drei Wochen nach dem Debriefing noch von Nachwirkungen in Bezug auf die Traumafilm-Manipulation, Zusammengenommen stellt die vorliegende Dissertation die Fähigkeit von Debriefings und anderen Interventionen, potenziell schädliche Effekte experimenteller Manipulationen aufzuheben und damit die ethischen Richtlinien psychologischer Gesellschaften zum Schutz von Versuchspersonen zu erfüllen, in Frage. In Anbetracht des allgegenwärtigen Vertrauens der psychologischen Forschungsgemeinde in die (vermeintliche) Effektivität von Debriefings haben diese Ergebnisse Implikationen für psychologische Forscher und werfen Fragen zur Forschungsethik in unserem Feld auf.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-ds-272744
hdl:20.500.11880/27117
http://dx.doi.org/10.22028/D291-27274
Erstgutachter: Friese, Malte
Tag der mündlichen Prüfung: 22-Jun-2018
SciDok-Publikation: 11-Jul-2018
Fakultät: HW - Fakultät für Empirische Humanwissenschaften und Wirtschaftswissenschaft
Fachrichtung: HW - Psychologie
Fakultät / Institution:HW - Fakultät für Empirische Humanwissenschaften und Wirtschaftswissenschaft

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