Bitte benutzen Sie diese Referenz, um auf diese Ressource zu verweisen: doi:10.22028/D291-23619
Titel: Das Haus als sozialer Raum und Gendertopographie im italienischen Verismus : Giovanni Vergas I Malavoglia und Matilde Seraos Il paese di cuccagna
Verfasser: Kleinert, Susanne
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2011
Quelle: Von Häusern und Menschen : literarische Filme und Diskurse über das Haus im 19. und 20. Jahrhundert / hrsg. von Monika Neuhofer ... - Würzburg : Königshausen & Neumann, 2011, S. 17-35
SWD-Schlagwörter: Italianistik
Literaturwissenschaft
Verismus
Serao
Matilde
Verga
Giovanni
DDC-Sachgruppe: 850 Italienische, rumänische, rätoromanische Literatur
Dokumentart : Journalartikel
Kurzfassung: Der Aufsatz behandelt den Topos des Hauses in zwei Romanen des italienischen Verismus, in Giovanni Vergas I Malavoglia (1881) und Matilde Seraos Il paese di cuccagna im Zusammenhang der Auseinandersetzung des Verismus mit Modernisierungsprozessen und Geschlechterrollen. Das Haus veranschaulicht soziale Schichtung und spiegelt Auf- und Abstiegsprozesse seiner Bewohner. Neben der besonderen Perspektivierungstechnik in Giovanni Vergas Raumdarstellung wird die Relation zwischen prämoderner Mentalität und Modernisierungsdynamik im Motiv des Verlustes des Hauses untersucht. Dass das Haus in I Malavoglia mit der Sphäre von Weiblichkeit und Mütterlichkeit verbunden bleibt, trägt dazu bei, dass es eine kompensatorische Funktion der Unsicherheit von Modernisierungsprozessen erhält und den zentralen Raum einer von der Literaturkritik schon früh konstatierten „religione della famiglia“ (Luigi Russo) bildet. Matilde Seraos Darstellung des Hauses wird zunächst im Zusammenhang ihres engagierten Essays Il ventre di Napoli (1884) zum Elend der neapolitanischen Wohnviertel der Unterschichten behandelt; als Journalistin war Serao bestens über ihre Heimatstadt Neapel informiert. Der zentrale Ort ihres Romans Il paese di cuccagna (1891), ein ehemaliger städtischer Adelssitz, beherbergt verschiedene Schichten und spiegelt einen durch die spekulative Mentalität der Bewohner ausgelösten Niedergang. Der Verlust des Hauses wird dabei sowohl auf die Irrationalität neapolitanischer Gewohnheiten des Glücksspiels und der Traumdeutung als auch auf das Einwirken des Nationalstaates zurückgeführt. Matilde Serao beschreibt dabei den ökonomischen Verlust in einer Topik der Profanierung sakraler Räume. Für die weiblichen Romanfiguren resultiert daraus einerseits der Tod – das Haus wird für den typischen „Engel des Hauses“ zum Gefängnis und Grab –, andererseits der Aufbruch zu eigener Berufstätigkeit, der allerdings bei Serao noch mit vielen Anzeichen existenzieller Unsicherheit versehen wird. Matilde Serao lässt eine gegenüber Modernisierungsprozessen und Veränderungen von Geschlechterrollen flexiblere Haltung als Giovanni Verga erkennen. Gleichzeitig bewirkt die starke Semantisierung ihrer Beschreibung des Hauses, dass ihre Schreibweise in literarischer Hinsicht weniger modern erscheint als Giovanni Vergas Haustopos, wie in der vorliegenden Analyse der Beschreibung zentraler Innenräume in Il paese di cuccagna deutlich wird.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-51094
hdl:20.500.11880/23675
http://dx.doi.org/10.22028/D291-23619
ISBN der Druckausgabe: 978-3-8260-4348-2
SciDok-Publikation: 13-Mär-2013
Fakultät: Fakultät 4 - Philosophische Fakultät II
Fachrichtung: P - Romanistik
Fakultät / Institution:P - Philosophische Fakultät

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