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Titel: Geschlechterrollen und Modernisierungserfahrung in Pirandellos "L';esclusa"
Verfasser: Kleinert, Susanne
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2006
Quelle: Hrsg.: Klinkert, Thomas ; Rössner, Michael: Zentrum und Peripherie: Pirandello zwischen Sizilien, Italien und Europa = Centro e periferia. Pirandello tra Sicilia, Italia ed Europa. - Berlin : Erich Schmidt Verlag, 2006. - (Studienreihe ROMANIA ; 23), S. 137-160
SWD-Schlagwörter: Pirandello
Luigi
Geschlechterrolle
Italianistik
Literaturwissenschaft
Freie Schlagwörter: Modernisierungserfahrung
DDC-Sachgruppe: 850 Italienische, rumänische, rätoromanische Literatur
Dokumentart : Journalartikel
Kurzfassung: Zu den grundlegenden Aspekten von gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen zählt auch die Pluralisierung von Rollenvorgaben und Lebenswelten. Der italienische Nationalstaat betrieb mit der Entwicklung des Bildungswesens in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine Modernisierungspolitik, die gleichzeitig mit der Eröffnung von Bildungschancen für breitere Teile der Bevölkerung auch den Frauen der Mittelschichten eine Möglichkeit der eheunabhängigen Versorgung bot. Durch diese neuen Realitäten wurden traditionelle Weiblichkeitsbilder in Frage gestellt, doch enthielt das neue weibliche Berufsbild gleichzeitig auch Restriktionen, die einen sehr deutlichen Unterschied der Geschlechter festhielten. Modernisierungs- und Emanzipationsdiskurse überschneiden sich daher nicht völlig. Pirandellos Figur der Marta Ajala in L';esclusa, die, von ihrem Ehemann verstoßen, Lehrerin wird, soll zunächst auf den Hintergrund des gesellschaftlichen und literarischen Diskurses über das Berufsbild der Lehrerin bezogen werden. Als literarischer Vergleichstext bietet sich Il romanzo della fanciulla von Matilde Serao an, die dem Umkreis des Verismus angehörte und mit ihrem Text für eine Verbesserung der finanziellen und rechtlichen Situation der jungen Lehrerinnen plädierte. Pirandello macht allerdings durch die Handlungsführung deutlich, dass die wirtschaftliche Selbständigkeit aufgrund der Moralklauseln des Casati-Gesetzes, das das Unterrichtswesen regelte, fragil bleibt. Marta gerät durch ihre Emanzipation nur in eine neue Falle. Dieses Handlungselement lässt sich als Zeichen dafür interpretieren, dass Pirandello die Widersprüche der damaligen Geschlechterpolitik bewusst waren. Auch in der Novelle "La maestrina Boccarmè" wird die Situation der Lehrerin als zerrissen von dem Widerspruch zwischen Berufs- und Geschlechterrolle dargestellt. Auffällig ist jedenfalls, dass Pirandello weibliche Geschlechtsidentität so konzipiert, dass sie weder in einem traditionalistischen, durch Konstrukte der Mannesehre geprägten "sizilianischen" Rahmen noch in der freien Verbindung mit dem "römischen" Repräsentanten des Nationalstaates für die Protagonistin zufriedenstellend gelebt werden kann. Der Aufsatz interpretiert die Ambivalenz von L';esclusa als ein Unterlaufen des Gegensatzes von Traditionalismus und Modernisierung. Pirandellos humoristische Perspektivierung erscheint dabei als eine Strategie, den konfliktuellen Charakter der Modernisierungserfahrung gleichzeitig zu unterstreichen und zu relativieren. Im Verhältnis zu Pirandellos Essay über den Feminismus zeigt der Roman eine größere Flexibilität, indem die Vielfalt der Perspektiven jede eindeutige Bewertung des männlichen Traditionalismus und der weiblichen Emanzipation unterläuft.
Ruoli sessuali ed esperienza di modernizzazione ne L';esclusa di Pirandello. La pluralità e la flessibilità dei ruoli assegnati costituisce uno degli aspetti fondamentali dei processi di modernizzazione sociale. Attraverso lo sviluppo del sistema educativo negli ultimi decenni dell';Ottocento lo stato nazionale italiano attuò una politica di modernizzazione che, contemporaneamente all';apertura di possibilità formative per settori più ampi della popolazione, offrì anche alle donne delle classi medie la possibilità di provvedere al proprio sostentamento al di fuori del matrimonio. La figura pirandelliana di Marta Ajala ne L';esclusa, che, ripudiata dal marito, diventa insegnante, sarà innanzitutto messa in relazione con il discorso sociale e letterario relativo all';immagine professionale dell';insegnante donna. A tale proposito si rivela interessante il confronto con il testo letterario Il romanzo della fanciulla della scrittrice verista Matilde Serao che promosse un miglioramento della situazione finanziaria e giuridica delle giovani insegnanti. Dall';altra parte invece l';intreccio pirandelliano mette in evidenza come l';indipendenza economica rimanga fragile perché soggetta alle implicazioni moralistiche della legge Casati che regolava l';insegnamento. Questo elemento dell';azione può essere interpretato come indice del fatto che Pirandello fosse consapevole delle contraddizioni della politica sessuale dell';epoca. Anche nella novella "La maestrina Boccarmè'; l';esistenza della maestra viene rappresentata come scissa dalla contraddizione fra ruolo professionale e ruolo sessuale. È evidente in ogni caso che Pirandello concepisce l';identità sessuale femminile in modo tale che essa non può essere vissuta in modo soddisfacente per la protagonista né in una cornice "siciliana'; tradizionalistica, caratterizzata dalle leggi d';onore maschili, né nel legame con il rappresentante "romano'; dello stato nazionale. Il contributo interpreta l';ambivalenza de L';esclusa come un venir meno della contraddizione fra tradizionalismo e modernizzazione. La prospettiva umoristica pirandelliana si rivela come una strategia atta a sottolineare e al tempo stesso a relativizzare il carattere conflittuale dell';esperienza di modernizzazione e del mutamento dei ruoli sessuali. Rispetto al saggio pirandelliano sul femminismo, il romanzo dimostra una maggiore flessibilità in quanto la pluralità di prospettive sovverte ogni valorizzazione univoca del tradizionalismo maschile e dell';emancipazione femminile.
Link zu diesem Datensatz: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-9958
hdl:20.500.11880/23536
http://dx.doi.org/10.22028/D291-23480
ISBN der Druckausgabe: 3503079793
SciDok-Publikation: 12-Feb-2007
Fakultät: Fakultät 4 - Philosophische Fakultät II
Fachrichtung: P - Romanistik
Fakultät / Institution:P - Philosophische Fakultät

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